Bundespolizei warnt vor Gefahren und will verstärkt der Spielverderber sein

Stein, Selfie und die Bahn: „Muss es erst Tote geben?“

Ein Selfiestick mit einem Handy wird an einem Bahnübergang in Norddeutschland hochgehalten, als ein Zug vorbeifährt.

Bismark / Magdeburg. Der Zug rast durch den Haufen hindurch, einige Steine zerbersten. Dass niemand von einem der Splitter getroffen wird oder etwas anderes Schlimmes passiert, ist ein Wunder. Immer wieder treibt es junge Leute auf Bahnanlagen.

„Für die Kinder und Jugendlichen ist das oftmals eine Mutprobe, doch in Wirklichkeit ist es leichtsinnig und brandgefährlich, auch für die Reisenden“, warnt Oberkommissarin Katrin Beiersdorfer. Erst vor wenigen Wochen gab es einen derartigen Vorfall in Bismark. Die Bundespolizei will ihre Aufklärungsarbeit in der Gegend verstärken. „Niemand hat irgendwelche Gegenstände auf Gleise zu packen. Darauf müssen wir gemeinsam reagieren, Schule, Elternhaus und Polizei“, meint die Ordnungshüterin in ihrer Magdeburger Dienststelle.

Ein weiterer gefährlicher Trend beschäftigt die Beamten deutschlandweit erst seit einiger Zeit. Kinder und Jugendliche wagen sich für sogenannte Selfies an oder auf Bahngleise. Dabei unterschätzen sie nicht zuletzt die Sogwirkung eines Zuges. „Wie schnell kann da ein Unglück passieren“, verschlägt es Beiersdorfer schon bei dem bloßen Gedanken daran die Sprache. Da es aktuell gerade junge Leute im Tangerland in Gefahrenzonen der Bahn treibe, will die Bundespolizistin an mindestens einer Schule dort über das Thema reden und mit Nachdruck warnen. Mit Zahlen kann die Polizistin auf die Schnelle nicht dienen, im Internet kursierten aber so einige Selbstporträts. „Da wird einem schon beim Anschauen angst und bange.“

Für die Oberkommissarin gehört das Thema quasi auf den Stundenplan einer Schule. Die Kinder sollen zweimal im Jahr über die Gefahren an Bahnanlagen aufgeklärt werden. So sei es vorgeschrieben. Ganz offensichtlich bleibe bei einigen Mädchen und Jungen aber nicht allzu viel hängen oder sie fühlten sich sogar zusätzlich angespornt. „So ein Verhalten hat aber nichts mit Abenteuer zu tun“, bekräftigt die Beamtin im Gespräch mit der AZ. Als sie vor ein paar Tagen 25 Schüler danach fragte, wer sich bereits mit den Eltern über das Risiko unterhalten habe, hoben nur zwei die Hand. „Einfach unglaublich.“

Anfang April redet Beiersdorfer in der Bismarker Grundschule Tacheles, später dann in einer Schule im Tangerland. Ihr Präventionskalender ist gut gefüllt. Mindestens beim ersten Termin wird sie durch Gudrun Katte von der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) unterstützt. Größere Unfälle habe es in jüngster Vergangenheit in der Region nicht gegeben. „Gott sei Dank. Doch muss es wirklich immer erst Tote und Verletzte geben, bis auch der Letzte aufwacht und kapiert, wie ungemein gefährlich so ein Verhalten ist?“

Von Marco Hertzfeld

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