Bis Anfang September soll Gewissheit herrschen / Übergänge „für den eingleisigen Zustand sicher“

Alle Bahnübergänge auf dem Prüfstand

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Dieser Bahnübergang in Hohenwulsch könnte zu jenen 16 gehören, die nicht nach Plan gebaut worden sind. Bis Ende August will die Bahn alle Übergänge überprüfen. Erst dann könne gesagt werden, wo genau die Fehler gemacht wurden.

Altmark / Hohenwulsch. Bis heute weiß die Deutsche Bahn nicht genau, welche Bahnübergänge nicht nach Plan gebaut worden sind. Nur so viel: 16 sollen es sein und sie befänden sich auf den Strecken Hohenwulsch-Brunau/Packebusch und Salzwedel-Rademin.

Das hatte die Bahn in der vergangenen Woche verkündet und gleichzeitig deutlich gemacht, dass sich der zweigleisige Ausbau der Amerika-Linie zwar nicht generell, aber in diesem Bereich um Jahre verzögern werde (AZ berichtete).

Auf Nachfrage teilte die Bahn jetzt mit, dass alle Bahnübergänge, die ein zweites Gleis erhalten haben, „auf mögliche Abweichungen zwischen dem planfestgestellten Zustand und dem aktuellen Ist-Zustand geprüft werden“. Das bedeutet, dass die Bahn bei keinem Bahnübergang davon ausgehen kann, dass Plan- und Ist-Zustand übereinstimmen. Erst nach Abschluss der Überprüfungen Ende August / Anfang September könne gesagt werden, welche Bahnübergänge tatsächlich von den Baufehlern betroffen sind.

Was genau das Problem ist, darauf gab es vergangene Woche nur oberflächliche Antworten. Auf Nachfrage räumte die Bahn jetzt ein, dass im Rahmen der Baumaßnahmen in den 1990er-Jahren die Fahrbahnbreiten an den Bahnübergängen zu schmal gebaut seien. Außerdem seien im Nachgang Gehwege an den Bahnübergang gebaut worden, „die eine erneute Überprüfung der Kreuzung zwischen Eisenbahn und Straße erfordern“.

Gegebenenfalls werde eine neue Schranke für Fußgänger oder eine Vollschranke für den gesamten Bahnübergang nötig. Das ziehe möglicherweise „Änderungen in der Leit- und Sicherungstechnik“ nach sich.

Sicherheitsbedenken wegen der Baufehler sieht die Bahn nicht: „Die derzeitigen Bahnübergänge sind für den eingleisigen Zustand sicher.“ Dies werde unter anderem in regelmäßigen Verkehrsschauen mit der Aufsichtsbehörde und dem zuständigen Straßenbaulastträger überprüft.

Die Bahn sei „im Rahmen der Planung“ davon ausgegangen, dass der Umbau der Bahnübergänge auch nach der Inbetriebnahme des zweiten Gleises erfolgen könne. Nach „eingehender Betrachtung“ sei das jedoch nicht möglich. Erst nach dem Umbau der betroffenen Bahnübergänge könne das zweite Gleis auch tatsächlich in Betrieb gehen.

Die Verantwortung für die Baumaßnahmen hat die Deutsche Bahn Netz AG.

Der zweigleisige Ausbau der kompletten Amerika-Linie wird laut Bahn bis 2025 dauern und 354 Millionen Euro kosten.

Von Niels Troelenberg

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