Amt schickte Ablehnungsbescheid: Rinderhalter Manfred Kohn ist stinksauer

Waddekather Phantom-Wolf

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Manfred Kohn mit zwei Mutterkühen und ihren Kälbern. Aus dem Wald kam der Wolf. Rissgutachter Andreas Berbig (kl. Foto, l.) konnte sich nicht eindeutig auf einen Wolf als Verursacher der Panik der Rinderherde festlegen. Manfred Kohn (r.) geht davon aus, dass das gewollt ist.

Waddekath. „Ich habe den Wolf selbst gesehen. Ich habe Gipsabdrücke gesichert. Die Jäger rund um Waddekath haben den Wolf auch bestätigt. Ich bin doch nicht blöd“, sagt Manfred Kohn.

Der Waddekather hält den Ablehnungsbescheid vom Landesverwaltungsamt Halle in seinen Händen und ist fassungslos. „Was sollen wir denn noch beweisen?“, fragt er.

Rückblick: Mitte Juli hatte vermutlich ein Wolf die Rinderherde von Manfred Kohn so in Aufruhr gebracht, dass diese ein Kalb durch Hufschläge schwer verletzte. Das Kalb starb trotz Tierarztbehandlung wenig später. Kohn selbst konnte sich nur durch einen Sprung zur Seite in Sicherheit bringen, sonst hätte die Herde ihn auch überrannt (die Altmark-Zeitung berichtete).

Der Rinderhalter stellte einen Antrag auf Schadensersatz. Er sicherte Spuren im Schlamm an einem Waldweg und ist noch heute fest davon überzeugt, dass es sich um Wolfsspuren handelt. „Ich habe den Wolf ja noch weglaufen sehen. So, wie der sich verhalten hat, verhält sich kein Hund“, sagte Kohn, der seit vielen Jahren selbst Hundehalter ist.

Rissgutachter Andreas Berbig von der Referenzstelle Wolfsschutz bei der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe mit Sitz in Arneburg sah sich wenig später die Spuren an, nahm Gipsabdrücke mit und hörte die Schilderungen. Berbig wollte sich damals nicht festlegen, obwohl er zugab, dass das Verhalten der Rinderherde auf einen Wolf hindeuten könnte.

Im Ablehnungsbescheid steht nun, dass die Zuordnung der Gipsabdrücke nicht möglich sei. Auch der Spurverlauf von ein paar Metern reiche nicht aus. „Dazu sollte ich Spuren auf einer Länge von mindestens 100 Metern nachweisen. Das ist fast nie möglich. Hier ist doch keine Wüste“, schimpft Kohn.

Der Waddekather will gegen den Bescheid, der erst nach vielen Telefonaten und Nachfragen angefertigt wurde, klagen. Kohn hat Unterstützung von der Interessengemeinschaft der Weidetierhalter Nord-Ost Niedersachsen bekommen. Diese setzt sich dafür ein, den Wolf nur in Regionen zuzulassen, wo er ungestört in einem für ihn passendem Territorium wandern und Wildtiere jagen kann. Doch das ist in Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen nur in ganz wenigen Regionen möglich. In Waddekath und in angrenzenden Gemeinden auf alle Fälle nicht. Ein Wolf benötigt bis zu 100 Quadratkilometer Fläche.

Der Isegrimm im Revier um Waddekath ist inzwischen weg. Das bestätigte der Diesdorfer Roland Neuschulz, dessen Jagdgebiet vom Forst Vier bis Waddekath reicht. „Das Wild hat sich beruhigt und kommt wieder aus der Deckung. Wir sind alle froh, dass der Wolf weitergezogen ist“, sagt Neuschulz.

Für Manfred Kohn geht der Kampf um ein paar Euro aber weiter. „Die wollen nicht uns und unsere Tiere schützen, die wollen den Wolf schützen. Was soll denn noch passieren?“, fragt er. Und: „Tausende Nutztiere sind in Deutschland schon von Wölfen gerissen worden. Und es werden immer mehr Wölfe. Wenn das so weiter geht, müssen wir noch Hochsicherheitszäune und Wolfshunde einsetzen. Wo der Wolf nicht hinpasst, muss er bejagt werden“, so Kohn.

Von Rüdiger Lange

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