Premiere in Schmölau: Naturkalk aus der Luft für altmärkische Forsten / Volle Konzentration beim Hubschrauberpiloten

Vitaminschub für den Waldboden

+
Während der Beladung des Streukübels bleibt der Eurocopter AS 350 „Eichhörnchen“ in der Luft. Mehrmals muss der Streukübel wieder aufgefüllt werden.

Schmölau. Das laute „Schrab-Schrab-Schrab“ ist schon von Weitem zu hören. Fast schon ohrenbetäubend wird der Lärm, als sich der Hubschrauber in die Luft schraubt. Und anschließend elegant und leichtfüßig den tonnenschweren Streukübel mit in die Höhe nimmt.

Runde um Runde zieht das schwarze Ungetüm seine Kreise. Es ist eine Premiere in Schmölau – eine Bodenschutzkalkung für die umliegenden Wälder.

Forstamtsleiter Helmut Jachalke (l.) lässt es sich nicht nehmen, eine Runde im Hubschrauber mitzufliegen und wird von Pilot Florian Kirschbaum eingewiesen.

Viele Waldgebiete in der Altmark leiden unter der Übersäuerung der Böden. Das wirkt sich nicht nur auf den Holzertrag aus, das gesamte Ökosystem leidet. Ganze Wälder können sogar umkippen. Am Dienstag startete bei Schmölau das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt in der Altmark eine Bodenschutzkalkung aus der Luft. „Ziel des Projektes ist es, die Wirkung der Kalkung auf Boden, Vegetation und Ernährungszustand der Bäume zu erforschen“, informierte Projektkoordinator Roland Sterner.

Bei Schmölau hat Revierförster Wolfgang Klaus eine Fläche von rund 104 Hektar Privatwald ausgewiesen, die mit Naturkalk aus dem Südharz aus der Luft gekalkt wurde. „Je nach Wetterlage werden in den nächsten zwei Wochen bei Bretsch, Bismark, Wannefeld und Jeggeleben weitere rund 300 Hektar aus der Luft gekalkt“, sagte der Leiter des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark Helmut Jachalke.

Der Forstamtsleiter unterstrich, dass so eine Kalkung nicht mit einer Düngung verwechselt werden darf. Der kohlensaure Naturkalk, der per Hubschrauber im dosierten Streuverfahren ausgebracht wird, neutralisiert sauren Regen und verbessert den chemischen und biologischen Bodenzustand. 3,25 Tonnen Kalk werden pro Hektar ausgebracht.

Nicht nur die Lautstärke des Hubschraubers ist beeindruckend. Auch die Kalkung aus der Luft bietet eindrucksvolle Bilder. Rund 104 Hektar Wald wurden bei Schmölau am Dienstag gekalkt.

Für den Hubschrauberpiloten Florian Kirschbaum ist das keine leichte Aufgabe. Alle ein bis zwei Minuten nimmt er einen Streukübel mit rund einer Tonne Kalk auf und streut diesen auf die vorbestimmte Bahn aus. Dazu muss er noch viele andere Faktoren wie Baumhöhen, Windgeschwindigkeit und –richtung beachten. Alles wird zudem per GPS überwacht, gesteuert und dokumentiert. Bei der Beladung des Streukübels bleibt der Hubschrauber in der Luft.

Hinter so einer Kalkung steckt eine ausgeklügelte Vorbereitung der damit beauftragten Firma. „Die Logistik ist das A und O“, sagte Jachalke, denn eine Hubschrauberminute ist sehr teuer. Während der Flugzeiten werden die vorbestimmten Waldgebiete kurzzeitig gesperrt, können aber danach wieder uneingeschränkt betreten werden.

Forstwissenschaftler und spezialisierte Bodenkundler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen begleiten wissenschaftlich die Waldkalkung. Dazu wurden im Vorfeld von den zu gekalkten Flächen und von ungekalkten Referenzflächen in der Nähe Bodenproben entnommen. „Ich bin mir sicher, dass durch diese Bodenschutzkalkung die Wälder nachhaltig stabilisiert werden“, unterstrich Roland Sterner. Er, Helmut Jachalke und Wolfgang Klaus unterstützen dieses Projekt, das zum Erhalt des Ökosystems Wald in der Altmark beitragen soll.

Kommentare