Führungen am 23. Deutschen Mühlentag

Tangeln und Diesdorf: Mit Wind und Wasserfall

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Schön anzusehen ist sie – die Bockwindmühle im Diesdorfer Freilichtmuseum. Leider scheiterte zum 23. Deutschen Mühlentag auch der zweite Startversuch. Es knackte im Gebälk und so ließen die Müller die Flügel dann doch noch nicht kreisen.

Tangeln / Diesdorf. Wie hunderte andere Mühlen in Deutschland öffneten zum 23. Mühlentag in Deutschland am Pfingstmontag die Wassermühle Tangeln und die Bockwindmühle im Diesdorfer Freilichtmuseum ihre Türen.

In Diesdorf informierte Mühlenvater Alfred Henke die Gäste über die Bockwindmühle aus dem Jahre 1810, die 1996 /97 aus Bortfeld (Niedersachsen) ins Museum umgesetzt wurde und Wind als Antriebskraft nutzt.

Starke Windböen und ein kräftiges Knacken im Mahlwerk, wenn die Flügel senkrecht standen, waren der Grund dafür, dass auch der zweite Startversuch an der Diesdorfer Museums-Bockwindmühle kurzerhand abgeblasen wurde. „Da muss noch was nachreguliert werden“, so Alfred Henke. Beim ersten Startversuch nach der Erneuerung der Flügel im Vorjahr blieb der Wind aus.

Der Sackaufzug war für die Müller eine große Hilfe und erleichterte ihre Arbeit. Die Besucher durften das selbst ausprobieren.

In Tangeln gestaltete der Tourismusverein Beetzendorf und Umgebung mit Vorsitzendem Rainer Klinzmann ein Mühlenfest mit vielem Drumherum. Für Müller Gerd Falk, der eigentlich gar kein richtiger Müller ist, war es ein sprachfüllender Schautag. Denn er führte bis zum Abend zehn Gruppen durch seine Wassermühle aus dem Jahr 1828. „Um seine Stimme zu ölen, habe ich ihm ab und zu ein Bier gebracht“, schmunzelt Klinzmann. Gerd Falk war anzumerken, wie stolz er auf sein technisches Denkmal ist. Die Ein-Tonnen-Wassermühle ist noch intakt. 20 Zentner Getreide konnte die Mühle pro Tag verarbeiten. Sie wurde zum Schluss von einer 4-PS-Turbine angetrieben, die 126 Liter Wasser pro Sekunde schluckte. Das Wasser wurde der Turbine über einen Wasserfall zugeführt, der sich im Innern der Mühle befindet. „Das gibt es nicht noch einmal in Deutschland“, weiß Falk.

Gerd Falk (Mitte) ist stolz über den einzigen Wasserfall in Deutschland, der in Tangeln eine Mühle antreibt.

Das Tangelner Bauwerk wurde mehrfach erweitert und war bis 1960 in Betrieb. Bis 1940 trieb ein Wasserrad die Mühle und einen Dynamo zur Stromversorgung an. Dann wurde die Turbinenanlage eingebaut. Die technische Einrichtung der Mühle erstreckt sich über drei Etagen. Schrotgang, Mehlgang, Sackaufzug – alles wurde erklärt. Und als Gerd Falk informierte, dass ein einzelnes Korn oft bis zu zwölf Mal durch die Anlage musste, ehe es zu Mehl wurde, staunten die Gäste.

Da staunten die Zuschauer: Kettensägenkünstler Fred Heidenreich aus Mellin bei seiner Arbeit an einer großen Eule.

Ein breites Rahmenprogramm rundete den Mühlentag in Tangeln ab: Schießen mit selbst gebauten Bögen von Stefan Trott, Kettensägekünstler Fred Heidenreich aus Mellin, die Imker Mattias und Phillip Maaß, Erbsensuppe aus der Gulaschkanone von Roland Klinger und Hans Franz, Kaffee, Kuchen und Brot aus dem alten Holzbackofen sowie handgemachte Musik des Saxophonisten Hans Dieter Laurich.

Von Rüdiger Lange

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