Archäologische Grabungen bei Mellin und Tangeln ausgewertet / C-14-Datierungen folgen

Spuren aus der vorrömischen Kaiserzeit

+
Grabungsarbeiterin Heike Kleinecke arbeitet am Grubenhaus. Deutlich sind die Verfärbungen erkennbar. Im Innern der Grube ist eine Füllung aus Asche, Holzkohle und Brandlehm.

Tangeln / Mellin. Es gibt eindeutige Siedlungsspuren aus der vorrömischen Kaiserzeit zwischen den Jahren 700 und 50 vor Christus unweit des Tangeln´schen Baches.

Archäologische Grabungen bei Mellin und Tangeln wurden ausgewertet und die entsprechenden Funde liegen derzeit in Archiven des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie in Halle.

Als vollständig erhaltenes Gefäß konnte dieses bodenlose Siebgefäß gesichert werden.

„C-14-Datierungen nach der Radiokarbonmethode, die Auskunft über das genaue Alter der Funde geben sollen, werden in den kommenden Wochen folgen“, erklärte Grabungsleiterin Antje Lehmann aus Dähre auf Anfrage der AZ. Lehmann grub mit ihrem Archäologen-Team vom 21. März bis Anfang Mai im Rahmen der Erdarbeiten beim Bau des Radweges an der Bundesstraße 248 bei Mellin (wir berichteten). Bis Anfang Juni erfolgte dann die Aufbereitung der Funde. Auch Pollenproben wurden während der Grabungen gesichert.

Deren Untersuchung in Labors soll Auskunft über die seinerzeit vorherrschende Vegetation auf der Siedlungs-Anhöhe geben. Aussagen über eine genaue Ausdehnung der Siedlung können derzeit aber noch nicht gemacht werden. Das Team um Antje Lehmann entdeckte allerdings neue spannende Funde. In einem Grubenhaus wurde ein nahezu vollständig erhaltenes bodenloses Siebgefäß entdeckt – außerdem ein zehn Zentimeter hoher Becher mit randständigem Henkel. Dieser ist fast vollständig und wurde verziert mit Besenstrich. Die Funde aus dem Grubenhaus beinhalten zwei Mahlsteine. Das bodenloses Siebgefäß wurde in der Milchverarbeitung bei der Herstellung von Quark oder Käse verwendet.

Dieser zehn Zentimeter hohe Becher mit randständigem Henkel ist mit Besenstrich verziert.

„Das Grubenhaus stammt aus der vorrömischen Eisenzeit und ist eine 1,7 mal 2,5 Meter große, rechteckige, ost-west-orientierte Grube mit einem Holzeinbau. Im Profil war es wannenförmig und noch 82 Zentimeter tief erhalten“, erklärt Antje Lehmann. Im Innern des Hauses lagen neben viel Keramik und Brandlehm auch Holzkohle, etwas Knochenbrand, ein Tierzahn, ein Schleif- und zwei Mahlsteine. Vermutlich war die Hütte durch ein Feuer zerstört worden.

Die 24 archäologischen Befundnummern verteilen sich auf ein Körpergrab, ein Grubenhaus, eine Pfostengrube, 14 weitere Gruben, einen Graben, zwei so genannte Restauflagen und vier natürliche Befunde. Insgesamt wurden etwa 1250 Fundstücke inventarisiert. Dazu zählen Steinzeug, Porzellan, Glas, eine Münze, ein eiserner Nagel, einfache Feuersteinabschläge sowie Boden- und Holzkohleproben geborgen.

Von Kai Zuber

Kommentare