Mit welchen Spirituosen Ost und West 1989 auf die Freiheit anstießen

Prosit Mauerfall!

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In der Vitrine des Swinmark-Grenzlandmuseums schlummern Originalabfüllungen von legendären DDR-Spirituosen, mit dem Altmärker und Niedersachsen auf den Mauerfall anstießen.

Diesdorf/Altmark. Sie hießen „Kumpeltod“, „Diesdorfer Bretterknaller“, „Goldbrand“ oder „Erichs Rache“ – als vor 25 Jahren die Mauer fiel, feierten die Altmärker aus Ost und West mit reichlich Alkohol.

Der stammte zum großen Teil aus der Region Diesdorf: Dort war der „Diesdorfer Bretterknaller“, ein extrem süffiger Fruchtwein, über die Grenzen des sogenannten Hansjochenwinkel berühmt. Einige erlesene Flaschen des Diesdorfer Dessertweins in Originalabfüllung 1989 stehen heute in der Vitrine des Swinmark-Grenzlandmuseums im Schnegaer Ortsteil Göhr.

Museumschef Dietrich-Wilhelm Ritzmann hat sie gesammelt. „Ob der Bretterknaller heute noch trinkbar ist, weiß ich natürlich nicht“, sagt er. Doch für die Nostalgie reicht den Museumsbesuchern die Betrachtung der Flaschen und Etiketten allemal. „Was wurde damals nicht alles getrunken. Natürlich musste der Fall des eisernen Vorhangs begossen werden“, meint der Museumsleiter. Auch „Herzkirsch“ und „Kirsch-Tischwein“ gingen damals in der DDR nicht selten unter dem Ladentisch weg. Etwas später, sozusagen als „hochprozentiger historischer Nachzieher“, wurde „Erichs Rache“ in Umlauf gebracht. Ostalgie war der Ideengeber, der diese originelle Kräuterlikör-Rezeptur mit seinen 30 „Umdrehungen“ prägte.

Der Trunk ist in den neuen Bundesländern so erfolgreich eingeführt worden, dass die Firma Dahlhoff Spirituosen einen Produktionsengpass erlitt und weitere zwei Abfüllbetriebe mit der Produktion beauftragen musste. Zeitweise wurden über 1,2 Millionen Miniaturen monatlich in der „Alt-DDR“ veräußert. Der „Diesdorfer Bretterknaller“, mit dem gleich kistenweise auf den Mauerfall angestoßen wurde, hatte es bekanntlich in sich, wie sich die Bewohner des Fleckens gern erinnern. Trinken konnte man ihn wie Apfelsaft, „doch nach anderthalb Flaschen war man zu allen Schandtaten bereit“, hieß es.

Eine weitere Geheimwaffe war neben dem legendären Pfefferminzlikör „Pfeffi“ und dem Kristallwodka „Blauer Würger“ das Soltmann Bier aus der Bergschloss-Brauerei Salzwedel, das Gardelegener Bier „Garley“ und das berühmt-berüchtigte Pils „Petermännchen“. Der Genuss des Salzwedeler Gebräus war nicht nur in der Altmark oft umrahmt von dem bekannten zweideutigen Spruch: „Soltmann oder sollte man nicht?“

Weil es „Rotkäppchen-Sekt“ oft nur unter dem Ladentisch gab, wurde in Ermangelung mit „Bärenblut“, „Liebfrauenmilch“, „Murfatlar“ oder „Rosenthaler Kadarka“ auf den Mauerfall angestoßen. Stärkere Geschosse waren da schon der Tropic-Fruchtlikör „Sambalita“ oder die Kräuter „Kreuz des Südens“ und „Klosterbruder“. „Kumpeltod“ dagegen hieß der preiswerte, weil steuerfreie Trinkbranntwein für Bergarbeiter. Dieser „Grubenfusel“ wurde in der DDR als Deputatlohn ausgegeben. „Auch eine Original-Flasche von diesem beliebten Wende-Alkohol haben wir in unserer Dauerausstellung im Grenzlandmuseum“, verrät Dietrich-Wilhelm Ritzmann im Gespräch mit der Altmark-Zeitung Salzwedel.

Von Kai Zuber

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