Chronist Heinz Günter Klaas in seinem Element / Gruppe aus Wittingen ist begeistert

Premiere in Diesdorf: Erste offizielle Ortsführung

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Die Gruppe aus Wittingen war nach der Premiere begeistert von der ersten Diesdorfer Ortsführung. Fazit: Das erste Mal wird wohl nicht das letzte gewesen sein.

zu Diesdorf. Chronist und Flecken-Urgestein Heinz-Günter Klaas war am Sonnabend bereits am frühen Morgen in Bestform. Und er war aus gegebenem Anlass voll in seinem Element: Die erste offizielle Ortsführung war eine echte Premiere in Diesdorf.

Die 17-köpfige Gruppe eines Betriebes aus Wittingen war begeistert. Klaas begann mit seiner Führung an der Bauernstraße.

Hier gleich in der Nähe hat der pensionierte Lehrer seine Jugend verbracht. Weil Kinder in der Gruppe waren, verzichtete Klaas auf komplizierte Fakten und Jahreszahlen und machte das, was er wohl am besten kann: Geschichte in Geschichten verpackt erzählen.

Die Führung, während der es zur Stärkung einen leckeren Brunch gab, setzte sich dann am Markt, in der Kirche, der Darre und im Diesdorfer Freilichtmuseum fort.

Heinz-Günter Klaas war am frühen Morgen schon in Bestform.

Als Dorfschullehrer im Museum war der Ortsführer und Experte für die verschnörkelte Sütterlinschrift dann in seinem eigentlichen Element, als sich die Gäste in die Zeit von vor 100 Jahren zurück versetzt fühlten: 974 Einwohner waren damals in Diesdorf zu Hause. Seit der Einführung der Schulpflicht im Jahre 1717 hatten die Lehrer das so genannte Züchtigungsrecht gegenüber den Schülern. Besonders sarkastisch wirkt der letzte Satz aus dem Nachschlagewerk „Der praktische Universalratgeber“: „Wenn so ein richtiger Flegel einmal gründlich spanischen Pfeffer zu kosten bekommt, so schadet ihn das nicht nur nichts, sondern es nützt ihm und zwar mehr als bloße Strafpredigten, Freiheitsentziehungen und dergleichen mehr.“

Übrigens wurde die Prügelstrafe in Deutschland erst 1949 mit der Gründung der DDR abgeschafft, in der BRD per Gesetz dann 1973. Es gab um die Jahrhundertwende einen öffentlichen Fernsprecher und 17 private Anschlüsse im Ort. Im Einwohnerverzeichnis standen nur Name, Vorname und Beruf der Diesdorfer, keine genaue Adresse. Eingetragen waren 35 Grundsitzer, drei Ackermänner, vier Kossaten, ein Landwirt und ein Stammhofbesitzer. Es gab je einen Arzt, Pastor, Apotheker, Zahntechniker, Brauereibesitzer, Musikus, eine Klavierlehrerin, vier Lehrer und fünf Gastwirte. Auch viele Handwerker, Kaufleute und andere Gewerbetreibende gingen in Diesdorf ihrer Arbeit nach, wie Klaas berichtete.

Und wie kam der Ortschronist dazu, eine Führung durch sein Heimatdorf zu organisieren? „Ein Freund hatte mir diesen Vorschlag unterbreitet und gesagt, ich sollte das doch einmal dem breiten Publikum anbieten. Ich habe eine Weile überlegt und es nun versucht“, sagte Heinz-Günter Klaas.

Von Kai Zuber

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