Stendaler Landgericht verhandelt Schießerei an Rohrberger Angelteichen

Nach dem Wodka fallen Schüsse

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Der 51-jährige Angeklagte soll auf drei Menschen geschossen haben und sitzt seit 7. Mai in Untersuchungshaft.

Stendal / Rohrberg. „Es war eine lustige Stimmung. Wir haben geangelt, gekocht und Wodka getrunken“, erzählte der 42-jährige Sassenburger gestern vor dem Landgericht in Stendal.

Der Niedersachse angelte am 5. Mai mit sieben Freunden an den Rohrberger Teichen. Bis die Situation eskalierte. Und der 42-Jährige mit einem Bauchschuss in eine Klinik gebracht werden musste, weil der Angeklagte (51) mit einem Selbstladegewehr, Kaliber 22, mit Schalldämpfer und Zielfernrohr um sich geschossen und dabei drei Menschen schwer verletzt haben soll.

Der Angeklagte, der gebürtig aus Russland stammt, wollte sich vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht zu den Vorwürfen nicht äußern, sondern ließ nur über seinen Anwalt verlauten, dass der Tatvorwurf unzutreffend sei.

Am Himmelfahrtstag, so erzählte es einer der Zeugen, sei ihm der dreifache Familienvater, der in Langenhangen wohnt, sofort aufgefallen. „Ich habe nach einem Platz an den Teichen gesucht. Nur war der Angeklagte mit seiner Truppe eher da und hat mich angeblafft, ich solle verschwinden.“ Ein paar Meter weiter habe er dann einen Bereich zum Angeln gefunden.

Im Laufe des Tages sei der Angeklagte mit seinen Kumpanen immer wieder in ihrem Zeltlager aufgetaucht. „Aber wir haben friedlich zusammen den einen oder anderen Wodka getrunken und uns unterhalten“, erzählte ein weiterer Zeuge, ein 53-Jähriger.

Irgendwann, so der erste Zeuge, habe er den Angeklagten getroffen, und dieser habe ihn bedroht: „Er hat mir die Munition gezeigt und gesagt, dass eine dieser Kugeln für mich wäre. Ohne Erklärung oder sonst etwas“, zeigte sich der 42-Jährige bestürzt. Es kam zu einer Rangelei zwischen den beiden Männern, anschließend lief der Angeklagte davon. „Dann kam sein Kumpel Juri und meinte, es wäre alles wieder in Ordnung“, so der Sassenburger.

Einen Wodka zur Versöhnung sollte es geben, erzählten die Zeugen. „Doch dann habe ich ein Zischen gehört und den Angeklagten mit dem Gewehr gesehen, der auf uns geschossen hatte. Da bin ich auf ihn zugerannt, um ihm das Gewehr wegzunehmen“, berichtete der 42-Jährige. Später habe er erfahren, dass der Angeklagte seinen Kumpel Juri und einen seiner Freunde am Kopf getroffen hatte.

In dem Gerangel mit dem Sassenburger löste sich ein dritter Schuss, der den 42-Jährigen in den Bauch traf. „Gott sei Dank habe ich etwas mehr auf den Hüften, da ist die Kugel nur durch das Bauchfett“, so der Angeschossene.

Trotz der Schusswunde konnte der 42-Jährige dem Angeklagten das Gewehr entreißen: „Ich habe nach ihm geschlagen und ihn beim zweiten Mal mit dem Lauf getroffen. Als er auf dem Boden lag, haben seine eigenen Kumpels auf ihn eingetreten.“ Anschließend flüchtete der vermutliche Schütze, konnte aber später durch Salzwedeler Polizeibeamte festgenommen werden. Am 21. Oktober wird die Verhandlung in Stendal vor dem Landgericht fortgesetzt.

Von Katja Lüdemann

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