Herbert Martin erstellt Ersatzbauteile per 3D-Printer / Millimeterarbeit mit Bearbeitungsprogramm

Maschinenteile selber drucken

+
Herbert Martin mit seinem 3D-Drucker. Aus dem Gedanken, mit einem 3D-Drucker eine Spielzeugeisenbahn herzustellen, wurde ein Gerät, dass mit Carbon, Glasfaser, Kevlar sowie mit Nylon beispielsweise Ersatzbauteile für Maschinen druckt.

Jübar. „Ich will später, wenn ich in Rente gehe, nicht nur den ganzen Tag Bücher lesen. Das stand für mich schon immer fest“, sagt Herbert Martin. Der Mann aus Jübar ist 63 und hat sich vor kurzem selbstständig gemacht – mit einem 3D-Drucker.

Die Idee kam auf einem Weihnachtsmarkt in Quedlinburg, beim Anblick einer kleinen Modelleisenbahn. „,Warum so eine kleine Eisenbahn nicht mit einem 3D-Drucker herstellen?’, dachte ich mir und danach ließ mich der Gedanke nicht mehr los“, erinnert sich Herbert Martin zurück. Sein ganzes Leben wird von der Technik bestimmt, momentan ist er stellvertretender Laborleiter eines Wasserbaulabors an der Technischen Universität Dresden. Vom ersten Gedanken bis zum fertigen Gerät im eigenen Büro vergingen fünf Monate.

Post aus Boston

Mit einem speziellen Computerprogramm kann Herbert Martin jede einzelne Schicht des Objektes bearbeiten.

Durch Recherchen im Internet stößt der Jübarer auf eineFirma in München. Sie steht mit einer Firma in Boston in Kontakt – die einzige auf der ganzen Welt, deren Drucker mit dem Stoff Carbon drucken können. Somit wurde aus dem Gedanke, eine Spielzeugeisenbahn selbst zu drucken, ein 3D-Drucker für Bauteile aus einem Stoff, der ein Drittel leichter als Aluminium und nur halb so schwer wie Stahl ist, aber dennoch extrem stabil. „Es gibt auch in Deutschland Drucker zu kaufen, aber die sind unterste Kategorie“, erklärt der Jübarer, „ich will mit meinem Drucker eine Nische finden.“

Die Bauteile, die mithilfe des 3D-Druckers geschaffen werden, können für alles mögliche verwendet werden. „Das können spezielle Ersatzteile für Maschinen sein, die am Markt nicht mehr oder nur sehr schwer zu beschaffen sind“, nennt Herbert Martin ein Beispiel.

Vom Scan zum Druck

Wenn ein Ersatzteil für eine Maschine über den 3D-Drucker hergestellt werden soll, ist dafür zunächst das defekte Ersatzteil nötig. Davon wird ein 3D-Scan angefertigt. Solch einen Scanner besitzt der 63-Jährige noch nicht. Das würde eine andere Firma übernehmen. Dann wird die 3D-Zeichnung in das Computer-Programm geladen.

Um dieses Bauteil herzustellen, benötigte der Drucker sechs Stunden. Bei den größten Bauteilen liegt die Druckzeit bei 20 Stunden, vermutet der Fachmann.

Ein 3D-Drucker druckt in Schichten. Eine ist 0,1 Millimeter dick. Mit dem Bearbeitungsprogramm ist Herbert Martin in der Lage jede Schicht zu bearbeiten. „So kann ich auch bestimmte Regionen auch verstärken, damit das Teil an der Stelle nicht mehr kaputt geht“, weiß der Fachmann. Die fertige 3D-Zeichnung wird abschließend an den Drucker übertragen, der vorher mit den Marterialien, wie eben Carbon und Nylon befüllt wird. Der Druckkopf wird auf 270 Grad erhitzt. Dann heißt es warten – meist fünf bis sechs Stunden. Für die größten mit dem Drucker möglichen Bauteile ist das Gerät zwanzig Stunden beschäftigt.

Normalerweise werden 3D-Drucker in großen Firmen verwendet – mittlerweile werden damit sogar schon ganze Häuser gebaut. „Der 3D-Druck ist in den Startlöchern“, ist sich Herbert Martin sicher.

Von Melanie Friedrichs

Kommentare