Manfred Heiser führt durch Höfe und Windmühle im Freilichtmuseum Diesdorf

Vom Grubenhaus zum Vierseitenhof

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Über 200 Jahre alt ist die Bockwindmühle, die ursprünglich aus Bortfeld im Kreis Peine stammt. Sie wurde 1810 gebaut.

zu Diesdorf. Man muss nur dicht genug herantreten an die alten Fachwerkbalken im Diesdorfer Freilichtmuseum – dann kann man nicht nur die Inschriften der ehemaligen Eigentümer lesen, die erstaunliche Geschichten über das Leben und das Leid in der Altmark auf dem Lande vor über 100 Jahren erzählen.

Vielmehr noch, denn fast scheinen die betagten Eichenbalken dem Betrachter etwas zuflüstern zu wollen. Wer das Knarren im Gebälk nicht zu deuten weiß, der ist bei Museumsführer, Handwerker und Schmied Manfred Heiser genau richtig.

Über 200 Jahre alt ist die Bockwindmühle, die ursprünglich aus Bortfeld im Kreis Peine stammt. Sie wurde 1810 gebaut.

Mit seinen Gästen ging Heiser auf eine Sonderführung durch Höfe und Windmühle des Diesdorfer Freilichtmuseums. Geschichte an Geschichte reihte sich aneinander und Heiser hatte Mühe, sich auf das Wesentliche zu beschränken: Vom Grubenhaus zum Vierseitenhof – diese bauhistorische Entwicklung war so etwas wie der rote Faden bei der Führung über „Haus- und Hofformen im Freilichtmuseum“.

Heisers Geschichte beginnt mit den Grubenhäusern des 11. und 12. Jahrhunderts. Bei der Anlegung von Rundlingen in der Altmark hatte nicht selten die herrschende Obrigkeit ihre Hände mit im Spiel. „In den oft zwangsweise kompakt angelegten Dörfern hatten die Herrscher die Bauern offenbar besser unter Kontrolle als bei verstreuten Einzelsiedlungen“, weiß Manfred Heiser zu berichten.

Das niederdeutsche Hallenhaus aus Winkelstedt stammt aus dem Jahr 1787. Dort wohnten damals noch Mensch und Vieh zusammen.

Deutlich ging der Museumsführer auf die Entwicklung des so genannten Pfostenbaus, der Hallenhäuser und der Schwellenbauweise ein. Im 15. und 16. Jahrhundert war in der Region des ländlichen Bereiches die Rundlings-Hofform maßgeblich. „Danach öffneten sich die Dörfer nach und nach, weil auch die Bevölkerung wuchs. So gab es zum Beispiel den offenen und geschlossenen Vierseitenhof“, erklärte Heiser weiter und erklärte anschaulich den Übergang vom Wohnstallhaus (Wohnen mit dem Vieh) zum Wohnhaus mit separat angelegten Stallgebäuden.

Ein Steckenpferd Manfred Heisers sind seit Jahren die Inschriften auf den Balken der Fachwerkhäuser: „Diese namentlichen Inschriften der Bauherren waren quasi ihre Besitzurkunden. Wenn einer daher kam und sie ihnen streitig machen wollte, konnten sie sich darauf berufen und damit war ihr rechtmäßiges Eigentum auch ohne Grundbuch geschützt“, so Heiser.

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