Reinhard und Eva-Maria Heller referieren über die Vielfalt alter Obstsorten

Knackiger Gesundbrunnen

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Um eine Sorte sicher zu bestimmen, braucht man mindestens drei Äpfel oder Birnen jener Sorte. Gestern war im Freilichtmuseum das Interesse an Tipps und Tricks groß. 

Diesdorf. „Täglich einen Apfel essen und du kannst den Arzt vergessen“, lautet ein altes Sprichwort. Und daran ist mehr als nur etwas Wahres, denn Äpfel sind knackige Gesundbrunnen.

Reinhard und Eva-Maria Heller aus Waddekath referierten am gestrigen Sonntag im Diesdorfer Freilichtmuseum über die Vielfalt alter Obstsorten. Ihre Tipps, Tricks und Erfahrungen waren gefragt. Über 30 Interessierte kamen bereits kurz nach dem Mittag zu Reinhard Hellers Vortrag über biologische Schädlingsbekämpfung im Obstgarten.

Herbstzeit ist Apfelzeit und da sind Eva-Maria und Reinhard Heller in ihrem Element. Lange Schlangen bildeten sich gestern Nachmittag auch während der Obstbestimmungs-Sprechstunden vor Hellers Tisch. „Um eine Sorte sicher zu bestimmen, braucht man mindestens drei Äpfel oder Birnen jener Sorte“, betonte Heller.

Niemand, der ihn je gekostet hat, wird bestreiten, dass „James Grieve“ eine der leckersten Apfelsorten überhaupt ist.

Rund 10 000 Apfelsorten gab es früher weltweit. Davon sind heute nur noch Relikte übrig, die es zu schützen gilt. Doch alte regionale Sorten sind wieder gefragt und das ist auch ein Verdienst des Altmärkers. Reinhard Heller gilt als landesweit anerkannter Obstexperte. Viele Jahre widmete er zunächst der Bestandsaufnahme lokaler Obstsorten in der Altmark und im Wendland. Die Ergebnisse dieser Arbeit begann er bereits 1994 in dem Buch „Obst in der Altmark“ zu dokumentieren. Zudem arbeitete der Pomologe (Obstbau-Fachmann) an der Veredelung alter lokaler Sorten. Dabei galt es, die lebensspendenden Obstreiser dieser Sorten für die Nachwelt zu sichern.

Die Altmärker erleben derzeit eine Renaissance alter Obstsorten, wie zum Beispiel „Altmärkische Brautapfel“ und der „Alantapfel“, die langsam wieder Einzug in die regionalen Obstgärten halten.

Reinhard Heller engagiert sich als Obstbau-Fachmann auch beim Projekt „Route der alten Obstsorten“ im Wendland. Dieses touristische Projekt nimmt eine deutschlandweit einmalige Vorreiterstellung ein. Doch wenn die Namen alter Apfelsorten, wie „Gravensteiner“, „Berlepsch“, „Kaiser Wilhelm“, „Boskoop“ oder „James Grieve“ genannt werden, beginnen nicht nur Hellers Augen zu leuchten.

Gestern waren im Haus Püggen des Museums auch seltene Birnensorten, wie „Gräfin von Paris“, „Gute Luise“, „Gellerts Butterbirne“ oder die „Pastorenbirne“ zur Anschauung ausgelegt. Alte Apfelsorten, wie „Schöner von Nordhausen“, „Kardinal“, „Alkmene“, „Prinzenapfel“ oder „Uelzener Kalvill“ ergänzten das Sortiment. Eine Sonderstellung nimmt der Rheinische Bohnapfel ein. Die Bäume sind unglaublich ertragreich. Maden machen einen großen Bogen um dieses Obst. „Er wird meist zum Saften genutzt. Lagert man ihn, ist er erst im späten Frühjahr genießbar“, so der Experte.

In seinem Vortrag über biologische Schädlingsbekämpfung im Obstgarten erklärte Reinhard Heller das „Wunder in einem Apfelbaum“. Der Referent beschrieb, wie Bäume richtig gepflanzt werden, wie Obstmadenfallen angebracht und wie Insekten- oder Marienkäferhäuser gebaut werden.

Reinhard Heller zeigt einen gespritzten Apfel.

Eindrucksvoll war die Darstellung eines gespritzten Apfels der Sorte „Golden Delicius“ und eines Öko-Apfels der selben Sorte aus dem Garten. „Der Öko-Apfel ist zwar wesentlich kleiner und voller Schorf, aber den kann man ohne Bedenken essen. Bei dem Supermarkt-Apfel reicht das Abwaschen nicht. Da steckt das Gift vom Spritzen tief drin“, so der Referent.

Von Kai Zuber

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