Annedore Hoffmann meldet ihren Billy als vermisst / Tierheim Ahlum vermittelt den Mischling weiter

Ein Hund zwischen zwei Familien

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Annedore Hoffmann und Frank Wartig vermissen ihren Billy. Der Hund wurde aber an eine andere Familie vermittelt.

Ahlum / Rohrberg. „Sollen wir uns das gefallen lassen?“, fragt Annedore Hoffmann. Die Rentnerin aus Rohrberg ist verzweifelt. Ihr Hund Billy war am 3. Dezember vergangenen Jahres weggelaufen. Annedore Hoffmann und ihre Familie hielten den Hund für tot.

Seit einigen Wochen wissen sie, dass Billy lebt – allerdings bei einer anderen Familie in der Verbandsgemeinde.

„Wir haben ihn damals vermisst gemeldet und der Polizei und allen Tierheimen im Umkreis Bescheid gegeben“, erklärt Annedore Hoffmann. „Billy ist gechippt, und wir haben seine Chipnummer auch immer mit durchgegeben“, fügt Schwiegersohn Frank Wartig hinzu. Wochenlang habe die Familie nach dem Münsterländer-Mix gesucht, ohne Erfolg.

Chipnummer: Ja oder Nein?

„Wir haben am 19. Dezember einen Fundhund bei uns aufgenommen. Dieser war allerdings so verstört und verängstigt, dass wir ihn zunächst ein paar Tage in Ruhe lassen mussten“, erzählt Iris Volk, Tierheimleiterin in Ahlum, im AZ-Gespräch. Von einer Chipnummer in der Suchanzeige von Familie Hoffmann will in Ahlum keiner etwas gewusst haben. „Wir haben auch bei der Beschreibung des vermissten Hundes nicht realisiert, dass das der Hund sein soll, den wir im Zwinger zu sitzen hatten. Er sieht eher wie ein Havanese aus und nicht wie ein normaler Münsterländer-Mix“, so die Tierheimleiterin.

Nachdem die Tierheimmitarbeiter die Chipnummer beim Hund ausgelesen hatten, fragten sie bei Tasso [Online-Tierregistrierung, Anm. d. Red.] nach. „Dort gab es aber keine Halterangaben. Und dann ist irgendetwas schiefgelaufen“, so Iris Volk. Denn eigentlich erfolgte danach eine Anfrage beim Ordnungsamt. „Aber die Halterabfrage kam da wohl nie an oder wurde nie bei uns abgeschickt“, versucht Iris Volk zu erklären, wie ein eigentlich gechippter Hund an eine andere Familie weitervermittelt werden konnte.

Während Billy im Ahlumer Tierheim saß, nahm Annedore Hoffmann an, dass ihr Hund bereits tot sei. Nicht nur sie war traurig über Billys Verschwinden, auch Hündin Roxy, Billys Mutter, sei verzweifelt gewesen. „Sie hat die ganze Zeit gejault, nur noch gelegen und wollte überhaupt nicht mehr spielen. Immerhin war sie seit mehr als fünf Jahren immer mit Billy zusammen“, sagt die Rohrbergerin.

Damit Roxy nicht mehr so einsam ist, kaufte die Familie einen neuen Hund. Als sie diesen beim Ordnungsamt anmelden wollte, erfuhr sie anhand von Billys Chipnummer, dass er noch lebt und anderweitig gemeldet ist. Eine Familie aus der Verbandsgemeinde hatte Billy aus dem Tierheim zu sich geholt. „Das Tierheim wusste davon. Die wussten, dass wir den Hund suchen und haben uns nicht gesagt, dass sie ihn haben“, schimpft Annedore Hoffmann. Ihre Tochter habe auf der Internetseite des Tierheims nach aktuellen Fundhunden geguckt, Billy sei aber nie dabei gewesen.

„Die Seite ist schon länger nicht aktualisiert worden. Wir hatten in den vergangenen Monaten auch interne Probleme und Umstrukturierungen zu regeln. Da ist unsere Homepage auf der Strecke geblieben“, heißt es dazu aus dem Tierheim in Ahlum.

Alle wollen den Hund

Vergangene Woche war Annedore Hoffmann im Tierheim und wollte wissen, wie sie ihren Hund zurückbekommt. „Man hat uns gesagt, dass das dumm gelaufen sei, aber nicht mehr zu ändern ist“, klagt sie. Auch mit Billys neuen Haltern haben sich die Rohrberger in Verbindung gesetzt. Die wollen Billy, den sie Einstein nennen, aber auch nicht mehr hergeben.

„Der Hund ist ein Familienmitglied geworden. Wir haben den kleinen Mann Ende August offiziell zu uns geholt, und er fühlt sich wohl bei uns“, erklärt der Familienvater beim Gespräch mit der Altmark-Zeitung. „Das Einzige, was uns an der Sache komisch vorkommt, ist, dass wir öfter nachgefragt haben, was passieren würde, wenn sich der ehemalige Halter doch noch meldet. Da wurde uns gesagt, das könne gar nicht passieren, der Hund sei nicht gechippt, das würde das Tierheim nun aber nachholen. Und im Nachhinein erfahren wir, dass Einstein doch gechippt war.“ Der Familienvater erzählt weiter: „Mit Familie Hoffmann-Wartig haben wir uns in einem Schreiben mit Unterschrift bestätigen lassen, dass Einstein bei uns bleiben darf.“

Dieses Schreiben wollen Frank Wartig und seine Schwiegermutter aber nicht anerkennen: „Wir haben gedacht, der Wisch sei dafür da, dass Billy nicht ins Tierheim zurückmuss“, so Annedore Hoffmann. Zudem seien falsche Angaben zum Hund gemacht worden. Das Tierheim hatte Billy als dreijährigen Hund verkauft, „dabei ist er sechs Jahre alt“, so Annedore Hoffmann und fügt hinzu: „Wir wollen unseren Hund zurück.“

Aber auch bei Einsteins neuer Familie ist klar, dass sie den Hund behalten wollen. „Was mir gegen den Strich geht, ist, dass das Ordnungsamt einfach unsere Daten weitergegeben hat“, schimpft der Familienvater. Im Beetzendorfer Ordnungsamt gab es allerdings auf Nachfrage der Altmark Zeitung nur die Aussage: „Kein Kommentar.“

Von Katharina Schulz und Katja Lüdemann

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