Enkelin von Dr. Walther Falke veröffentlicht Buch über die Erlebnisse ihres Großvaters

Historisches Reisetagebuch: „Als Schiffsarzt rund um Afrika“

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Dr. med. Walther Falke heuerte 1908 auf der „Herzog“ an und schipperte als Schiffsarzt nach Afrika. Dabei hat er viel erlebt, was er in seinen Reisetagebüchern vermerkt hat.

Diesdorf. „Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen . . . “ – das galt auch für den altmärkischen Schiffsarzt Dr. med. Walther Falke, der 1908 auf dem Reichspostdampfer „Herzog“ (rund 5000 Bruttoregistertonnen) anheuerte, um seine Sehnsucht nach fernen Ländern zu stillen.

In dem Buch „Als Schiffsarzt 1908 rund um Afrika“ schrieb Dr. Rosemarie Leineweber die Erlebnisse ihres Großvaters nieder.

Seiner Enkelin, Dr. Rosemarie Leinweber, fielen nun vor zwei Jahren das Reisetagebuch und Fotos dieser Fahrt in die Hände. „Was ich dort las und fand war sehr spannend. Ich beschloss, darüber ein Buch zu veröffentlichen“, sagte Dr. Leineweber. Und dieses Buch, erschienen im Dr.-Ziethen-Verlag Oschersleben, stellte sie beim Heimatverein Diesdorf in der Darre einem breiten Publikum vor. Walther Falke stammt aus Sandau und seine Eltern betrieben dort eine Apotheke. Am Gymnasium in Stendal hörte der junge Falke das erste Mal vom Afrika-Forscher und Arzt Gustav Hermann Nachtigal (1834-1885), der einst ebenfalls Schüler des Gymnasiums war.

Falke war von dessen Berichten fasziniert und träumte auch von großen Reisen. Nach dem Arztstudium in Freiburg, Berlin und Kiel arbeitet Dr. med. Walther Falke unter anderem für einige Zeit als Assistenzarzt in einem Hamburger Krankenhaus ganz in der Nähe des Hafens. „Auch die ein- und auslaufenden Schiffen haben wohl zu seinem Fernweh beigetragen“, ist Dr. Leineweber überzeugt. Eine Pause zwischen einer neuen Anstellung nutzte Dr. Falke, um sich einen Traum zu erfüllen und ein Vierteljahr als Schiffsarzt zu fahren.

Ingelore Fischer (r.) dankt Dr. Rosemarie Leineweber.

Mit der „Herzog“ schipperte er 1908 über Westeuropa nach Afrika. Als Schiffsarzt gehörte Dr. Falke an Bord zu den oberen Schiffsoffizieren und genoss großen Respekt. 150 Reichsmark pro Monat waren die Heuer und der Dienst an Bord richtete sich je nach Bedarf der Erkrankten. Meist gab es für ihn tage- und wochenlang nichts zu tun. Ein Arzt hatte sich auf Seekrankheit, Magen-, Darm-, Lungen- und Zahnerkrankungen, Hitzschlag, Infektions- und Tropenkrankheiten einzustellen. Aber auch kleine chirurgische Eingriffe, Brüche und Geburten galt es zu beherrschen.

Über seine Erlebnisse verfasste Dr. Falke ein Tagebuch. Und diese Aufzeichnungen geben eindrucksvoll Auskunft über das Leben an Bord, über das Leben in den angelaufenen Häfen, über viele Ausflüge und über Menschen, die das Bordleben bereicherten. Auch die Sprache von damals unterscheidet sich von der heutigen.

Die Aufzeichnungen des Schiffsarzt sind in dem Buch „Als Schiffsarzt 1908 rund um Afrika“ zusammengefasst und lassen eine längst vergessene, spannende Zeit wieder aufleben.

Von Rüdiger Lange

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