Hans Molzberger hat neue Gäste bei sich auf dem Bauernhof

Hilmsen bleibt international

Will wegen der Farbe gerade nicht lachen: David Lindsay.

Hilmsen. Unbekannte, freundliche Gesichter blicken freundlich in die Küche des Hilmsener Künstlers Hans Molzberger: Die neuen Gäste sind da! Die Studentinnen und Studenten aus Houston, Texas, sind wieder abgereist (wir berichteten), und die neuen Gäste zogen ein.

Drei weitere kommen in den nächsten Tagen.

Salzwedels indischer Stipendiat Ravi Shekhar (v.r.) kam, um eigenes Videomaterial zu zeigen. Mit Lauren Boldon, die ebenfalls Videokunst macht, verstand er sich auf Anhieb. Kaneem Smith stellt in der Mönchskirche aus, Ibrahim Mahama reiste aus Ghana an. Fotos (2): Hamann

David Lindsay kommt aus seinem Zimmer – eine Gesichtshälfte mit dem Abbild eines Hauses bemalt. „I cannot laugh“, ich kann nicht lachen, sagt er, was am speziell platzierten Gemälde liegen könnte. Er kommt aus Lubbock in Texas, hatte eine Ausstellung in Houston und kennt daher Hans Molzberger. Er unterrichtet an der Houston Baptist University (wir berichteten). Da auch noch Gus Kopriva fand, David muss nach Hilmsen, geschah das auch. „Ich bin ein sehr traditioneller Künstler“, sagt er, und es stellt sich die Frage, wie viel Ironie in dieser Aussage steckt. „Ich male Landschaften und Architekturen“, fügt er hinzu. Hans Molzberger erklärt: „David macht Ahornholz heiß, biegt dieses und malt dann auf den gebogenen Strukturen.“ Als David fast schon schüchtern gesteht, sich vorgestern die Brust rasiert zu haben, um sich diese zu bemalen, und er das nicht zeigen will, ist die Heiterkeit groß. Über seine Kunst sagt er noch, „es gibt einen Unterschied zwischen dem Ort und mir im Ort“, bevor er wieder in seinem Zimmer verschwindet. Wo er sein Auge bemalt.

Lauren Boldon hat mit am lautesten gelacht. Sie lebt in Syracuse, New York, hat dort studiert, aber geboren ist sie in Houston, Texas. Sie kennt Hans Molzberger über Gus Kopriva und war schon im vergangenen Jahr in Hilmsen. Sie wird auf dem Bauernhof Filme anderer Künstler, aus China, Dänemark, Deutschland und den USA, neu zusammenschneiden. Das Ergebnis ist am 26. Juli im Salzwedeler Filmpalast zu sehen, das steht schon fest. Auch der Titel: „Technophilia for the Love of People“, Technophilia für die Liebe der Menschen. „Es ist sehr unterschiedliches Material“, betont sie. Man kann gespannt sein. Lauren Boldon macht einen Deutschkurs auf dem Computer, nur will ihr nicht einleuchten, dass „Der Junge sitzt unter dem Tisch“ und „Das Mädchen liest ein Buch“ halbwegs alltagstauglich sind.

Ibrahim Mahama aus Ghana kommt von der University of Science and Technology nach Hilmsen, und als er das erzählt, liegt die Frage im Raum, wie er dann auf den Bauernhof in Hilmsen kommt – „ich studiere am College of Arts“, Arts heißt auf deutsch Künste – ach so. Über eine gemeinsame Bekannte kam mit Hans Molzberger der Kontakt zustande. Nun arbeitet er seit Sonnabend in der Altmark mit afrikanischen Stoffen, die er auf Holz spannt, und bemalt.

Zuletzt stellt sich Kaneem Smith vor. Sie ist eine Kollegin von Hans Molzberger und unterrichtet an der Houston University. Vor zwei Jahren war die Künstlerin, die unter anderem Stoffe webt, schon einmal in Hilmsen. Dieses Jahr baut sie eine Installation in der Salzwedeler Mönchskirche auf, inspiriert von einem Besuch des Magdeburger Doms. Viele Teile hat Kaneem Smith schon in Houston hergestellt und verschiffen lassen. Wenn alle eingetroffen sind, gehts mit dem Aufbau los. „Ich will eine eigene Umwelt in der Mönchskirche aufbauen, eine Kapelle in der Kirche“, erklärt sie. Und das kann die Öffentlichkeit ab Freitag, 27. Juli, in Salzwedel betrachten.

Von Steffen Hamann

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