IG-Metall: 313 Beschäftigte sollen rund 3000 Euro im Jahr weniger verdienen und dafür 70 Stunden mehr arbeiten

Glunz-Tarifkonflikt auf Messers Schneide

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Die Tarifkommission für die Glunz AG im Werk Nettgau.

hob Nettgau. Rund 3000 Euro im Jahr weniger und dafür 70 Stunden mehr arbeiten – das droht 313 von 400 Glunz-Beschäftigten im Spanplattenwerk Nettgau.

„Unsere Kollegen sind nicht bereit, auch nur auf einen Cent zu verzichten“, so Axel Krüger, Betriebsratsvorsitzender der Glunz AG in Nettgau. „Seit Bestehen des Standortes haben wir unseren Beitrag zur Sicherung dieses Werkes erbracht. Zum Beispiel, indem die Belegschaft vier Stunden pro Woche mehr arbeitet. Jetzt reicht es. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind bereit für die gemeinsamen Forderungen zu kämpfen und werden keine Kürzungen mehr hinnehmen.“

Dieter Pfeiffer, politischer Sekretär der IG Metall Wolfsburg, stärkt den Glunz-Mitarbeitern den Rücken: „Nachdem wir in den vergangenen vier Jahren den ersten Schritt zur Angleichung an die Tarifbestimmungen von Niedersachsen geregelt haben, will die Geschäftsleitung jetzt über die Hintertür alles rückgängig machen. Das werden wir nicht zulassen.“

Die Geschäftsführung der Glunz AG hatte den Austritt aus dem Tarifbereich des Arbeitgeberverbandes der Holz verarbeitenden Industrie Sachsen-Anhalt zum 10. Februar erklärt. Am 18. Februar lief in Nettgau die erste Tarifverhandlung. Dort stellte das Rechtsanwaltsbüro Pavel im Auftrag der Glunz AG folgende Absichten vor: Einführung der 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich; Kürzung des Jahresurlaubs von 30 auf 27 Tage im Jahr; Verzicht auf eine Einkommenserhöhung für die kommenden zwei Jahre; Einführung einer neuen Lohn- und Gehaltsgruppenstruktur; Vereinheitlichung aller tariflichen Zuschläge; Urlaubs- und Weihnachtsgeld sollen künftig jeweils 1000 Euro betragen. Weiter soll es eine Anwesenheitsprämie geben: Bei geringer oder keiner Erkrankung sollen die Beträge erhöht bzw. bei häufiger Erkrankung gekürzt werden. Und: Nur, wenn die aufgeführten Punkte für immer vereinbart werden, soll es für die kommenden zwei Jahre keine betriebsbedingten Kündigungen geben, berichtet Wilfried Hartmann.

Der Verhandlungsführer weiter: „Die Tarifkommission der IG Metall legte dar, dass bei Glunz seit Jahren nicht investiert wird. Anstatt Einkommenskürzungen vorzunehmen, sollte Glunz zunächst den eigenen Holzeinkauf optimieren: Wird das Holz teuer geordert, sind die Auswirkungen erheblich“, sagt Hartmann. Und macht deutlich: „Anstatt diesen Aspekt in den Fokus zu rücken, will Glunz die Einkommen der Beschäftigten schmälern, um eigene Fehlplanungen zu korrigieren. Das Angebot der Geschäftsleitung ist empörend.“

Bis zum 26. Februar wollte die Glunz-Leitung über die Rücknahme der Tarifvertrags-Kündigungen für alle Standorte entschieden haben. Dazu erklärte Hartmann: „Diese Chance hat die Geschäftsleitung vertan. Bis zum heutigen Zeitpunkt gibt es keine Reaktion.“ Der nächste Verhandlungstermin ist für Montag angesetzt. Die Glunzler fordern höhere Löhne und Gehälter ab 1. Januar dieses Jahres um fünf Prozent und Erhöhung der Ausbildungsvergütung, Abschluss eines Tarifvertrages zur Altersteilzeit sowie eine Vereinbarung zur schrittweisen Anpassung an das Niveau der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Niedersachsen. Geht die Glunz-Geschäftsleitung da nicht mit, lasse sich der Tarifkonflikt kaum verhindern, stellt Hartmann klar.

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