313 Mitarbeiter in Nettgau betroffen / Betriebsrat macht Front gegen Hintertürpolitik

Gewerkschaft: „Glunz AG tritt aus Tarifbereich aus“

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Das Glunz-Werk in Nettgau: Die Unternehmensleitung kündigt den Ausstieg aus dem Tarifbereich des Arbeitgeberverbandes der holzverarbeitenden Industrie Sachsen-Anhalt an. 313 Mitarbeiter sind betroffen.

Nettgau. „Die Geschäftsleitung der Glunz AG Werk Nettgau macht ernst. Sie hat den Austritt aus dem Tarifbereich des Arbeitgeberverbandes der holzverarbeitenden Industrie Sachsen-Anhalt erklärt.“ Das teilte gestern Anita Pöhlig von der Industriegewerkschaft (IG) Metall Wolfsburg mit.

Die Geschäftsleitung habe die Beschäftigten darüber informiert, dass sie die Personalkosten am Standort Nettgau senken wolle. Das soll durch ein Abkoppeln von den Tarifen der holzverarbeitenden Industrie Sachsen-Anhalt geschehen. Betroffen sind davon 313 von 400 Mitarbeitern, die bei der Glunz AG in Nettgau beschäftigt sind.

Und die hatten erst unlängst Hoffnung geschöpft, als die Geschäftsleitung des Spanplattenherstellers verkündet hatte, dass die chilenische Arauco-Gruppe beim Glunz-Mutterkonzern Sonae Industria einsteigen wolle. Zudem laufen gerade Tarifverhandlungen. Die IG Metall fordert darin für die Glunz-Beschäftigten eine fünfprozentige Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen sowie einen Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente – Stichwort: Altersteilzeit.

Nachdem nun die Glunz-Geschäftsleitung den Tarifausstieg erklärt habe, seien nun 313 Beschäftigte abgekoppelt. Betriebsbetreuer Dieter Pfeiffer von der IG Metall Wolfsburg konstatiert: „Nachdem wir in den vergangenen vier Jahren den ersten Schritt der Angleichung an die alten Bundesländer über einen Tarifvertrag geregelt haben, will die Glunz-Geschäftsleitung jetzt über die Hintertür alles rückgängig machen.“

Glunz- Betriebsratsvorsitzender in Nettgau, Axel Krüger, spricht von der Zukunftsangst der Glunz-Mitarbeiter: „Die Unternehmensleitung bringt unnötig Unruhe in die Belegschaft, indem sie durch diesen Schritt die Sicherheit der Einkommen unserer Mitarbeiter und deren Familien in Frage stellt.“

Von Holger Benecke

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