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Der Fall Fricopan: Fördergeld-Profit auf die kalte Art

Zum Schluss wollte er noch mit den Chefs persönlich sprechen. Landrat Michael Ziche bat am Montag, nach der Betriebsversammlung von Fricopan, um eine solche Unterredung.

Doch der höchste politische Repräsentant des Altmarkkreises Salzwedel erhielt eine Abfuhr. Man sehe keinen Redebedarf, hieß es aus der Chefetage, die dem Landrat damit ganz offen die kalte Schulter zeigte.

Stefan Schmidt

Nun muss man Ziche deswegen nicht bedauern. Sein „Schicksal“ ist nicht vergleichbar mit dem echten Schicksal von mehr als 500 Mitarbeitern, die buchstäblich von heute auf morgen ihre Arbeitsplätze in Immekath verlieren. Das kaltherzige Verhalten der Aryzta-Geschäftsführung gegenüber Ziche ist aber bezeichnend. Pünktlich zum Ende der 20-jährigen Fördermittel-Bindungsfrist macht der Mutterkonzern den Laden dicht, hat längst Produktionslinien nach Eisleben verlagert, stärkt mit der Schließung in der Altmark den deutlich moderneren und größeren Standort bei Halle. Und das Land schaut – ebenso wie die mehr als 500 Beschäftigten in Immekath – in die Röhre. Das Fördergeld, einst millionenfach für Immekath bereitgestellt, ist futsch. Dafür gab es für Eisleben mehrere Millionen an Fördergeld, die indirekt das Aus für Immekath bedeutet haben. Und das für ein Unternehmen, das die Altmark offenbar nur als „verlängerte Werkbank“ benutzt hat. Zwar gab es zwei Jahrzehnte lang Jobs – wenn auch nicht übermäßig gut bezahlte – für mehrere hundert Menschen. Aber die Art und Weise, wie der Konzern den Mitarbeitern die Standortschließung mitgeteilt hat, ist beschämend: Am Tag vor Himmelfahrt und vor einem langen Wochenende ein lapidarer Aushang mit dem Hinweis, fünf Tage später gäbe es nähere Informationen. So geht man nicht mit Menschen um, deren Arbeit man wertschätzt. Stattdessen sieht man die „Fricopaner“ offenbar nur als lästiges Übel zur eigenen Profitsteigerung.

Hinterfragen muss man auch die Rolle der Landtagsabgeordneten aus Klötze, Uwe Harms und Jürgen Barth. Der eine konnte sich drei Tage später spontan nicht erinnern, wo er zum Zeitpunkt der Fricopan-Betriebsversammlung war – vor Ort war er jedenfalls nicht. Genauso wenig wie sein Kollege Barth. Dessen Begründung: Er sei nicht eingeladen worden.

Die Fricopan-Mitarbeiter hätten nicht nur menschlichere Firmenchefs verdient gehabt. Sondern auch engagiertere Abgeordnete.

Von Stefan Schmidt

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