Seltene Wasseramsel im Taufkessel gesichtet / Erneutes Ansiedeln aufgrund zu sauberer Gewässer eher abwegig

Erst zu schmutzig, nun zu sauber

+
Tierschützer Ralf Knapp bekam den seltenen Vogel kürzlich vor die Linse.

Beetzendorf / Tangeln. Als der Tierschützer Ralf Knapp im sogenannten Taufkessel, ein Feuchtgebiet zwischen Tangeln und Mellin, einen kleinen Vogel wie ein Pfeil über das Wasser schießen sieht, ist er sich sicher: Es ist eine Wasseramsel.

„Obwohl es sie bei uns eigentlich weder als heimischen Vogel noch als Wintergast gibt“, weiß Knapp. Das war nicht immer so.

Hans-Joachim Richter aus Beetzendorf kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als an der Hartau und am Tangelnschen Bach die Wasservögel heimisch waren. Auf einer Karte sind die Brutplätze damals vermerkt worden. Eines war in der Nähe der ehemaligen Försterei bei Lüdelsen, die anderen beiden zwischen Beetzendorf und Rohrberg Nahe der Brücke an der B 248 sowie in der Nähe des Schlosses bei Neumühle. Das ist aber schon fast 60 Jahre her, das letzte Brutpärchen verschwand 1957.

Auf der Karte wurde genau vermerkt, wo die Wasseramseln früher brüteten.

„Nach der Enteignungsreform in der DDR sind die Flüsse immer mehr verschmutzt. Vorher fühlte sich jeder für sein Stück Gewässer verantwortlich“, nennt Hans-Joachim Richter als Grund, dass „aus den Gewässern Abwässer wurden.“ Auch zugekippte Nebengräben und aus den Bächen entfernte Gesteinsbrocken sind laut des 79-jährigen Fachmannes Ursachen für das Verschwinden der Wasseramsel. „Es führte soweit, dass von 32 Firscharten nur noch vier Arten übrig waren“, erzählt Richter weiter.

Somit müsste die Sichtung der Wasseramsel eigentlich ein gutes Zeichen für das sogenannte Jeetzezentrum und die Qualität seiner Gewässer sein. Doch zufrieden ist der Beetzendorfer Naturfreund dennoch nicht. „Die Wasseramsel die Ralf Knapp entdeckt hat, war nur auf der Durchreise“, ist Richter ziemlich sicher.

Für das Wiederansiedeln des Vogels sind die Bäche mittlerweile und absurderweise zu sauber. Klärwerke sollten damals gegen die Verschmutzung helfen, doch nun „seien die Gewässer so sauber, dass die Futtergrundlage für die Amsel nicht mehr gesichert ist“, so der Fachmann, der seit 55 Jahren die heimischen Flüsse untersucht. Denn viele Krebse, Fischarten und Zooplankton, die Lebensgrundlage der Wasseramsel, können sich in dem sauberen Wasser nur schwer ansiedeln. „Es bräuchte Bakterien, durch die sich Populationen wieder entwickeln könnten“, erklärt Richter. Eine Lösung zu finden ist jedoch schwierig. Alte Wassermühlen und deren Staue wieder aufzubauen, seien Lösungsansätze. Denn dort reinige sich das Wasser von allein. Auch zugeschüttete Nebengräben wieder zu öffnen, kommt für Hans-Joachim Richter in Frage. „Bei Salzwedel beginnt man nun, anderes Wasser einzuschleusen und Büsche zu pflanzen. Aber ich glaube nicht, dass das etwas bringt.“

Von Melanie Friedrichs

Kommentare