Vorschriften für DGH-Nutzer in der Kritik / Insgesamt 40 000 Liter Gerstensaft müssen ausgetrunken werden

Diesdorfer Bier-Vertrag: Saftige Strafe droht

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Im DGH Mehmke fing der Ärger an, als ein Mietinteressent seine Unterschrift verweigerte, weil er die Bier-Bedingungen nicht akzeptieren wollte.

Diesdorf. Viel Aufregung um einen Bier-Vertrag und damit verbundenen Reglementierungen für Nutzer von Dorfgemeinschaftseinrichtungen gibt es derzeit im Flecken Diesdorf.

Insgesamt 40 000 Liter Hopfenbräu müssen die Einwohner der Diesdorfer Ortsteile in den Dorfgemeinschaftshäusern (DGH) binnen der Vertragslaufzeit mindestens trinken, wenn sie dort ihre Familienfeiern begehen oder andere Anlässe anstehen.

Damit müssen sie sich in den kommenden Monaten auch noch beeilen, sonst könnte eine saftige Vertragsstrafe drohen. Das alles regelt ein über die Kommune geschlossener Vertrag, der laut Bürgermeister Fritz Kloß anlässlich der 900-Jahr-Feier 2012 mit einem Getränkehandel zustande kam. Was einige Ratsmitglieder besonders merkwürdig finden, ist die Tatsache, dass diesen „Vertrag“ bislang kaum jemand zu sehen bekommen hat.

Fritz Kloß nennt keine Vertragsdetails

Selbst Kloß konnte der AZ zu einigen Details, wie zum Beispiel zur Länge der Vertragslaufzeit und möglichen Sanktionen bei Nichterfüllung, keine konkrete Auskunft erteilen. Wie bekannt wurde, werden die DGH-Nutzer vor Anmietung der Räume zu Feierlichkeiten aufgefordert, ihr dort ausgeschenktes Bier ausschließlich bei einem bestimmten Getränkehändler zu beziehen, der in Diesdorf ansässig und Ratsmitglied ist. Selbst die Auswahl der Biersorten ist auf etwa ein Dutzend begrenzt, was die Konsumfreiheit der DGH-Mieter weiter einschränkt. Dass der Flecken damit bestimmen will, wer wo welches Bier konsumiert und dazu noch ein fragliches Limit ansetzt, finden nicht wenige Diesdorfer mehr als merkwürdig. Die Verträge, die die Mieter der Dorfgemeinschaftshäuser in Dülseberg, Mehmke, Höddelsen und Peckensen vor dem Bezug der Einrichtungen unterschreiben müssen, sorgen seit Monaten für Unmut.

Ärger beim Zapfen: Viel Aufregung um einen Bier-Vertrag und damit verbundene Reglementierungen für Nutzer von Dorfgemeinschaftseinrichtungen gibt es derzeit im Flecken Diesdorf.

Genau diese Querelen führten in Mehmke dazu, dass ein interessierter Mieter des modernen Dorfgemeinschaftshauses kurzerhand auf die Vertragsunterzeichnung zur dortigen Ausrichtung des 60. Geburtstags seiner Ehefrau verzichtete: „Sinngemäß sollten die Nutzer in dem uns vorgelegten Vertrag verpflichtet zu werden, ihr Bier in dem Diesdorfer Getränkehandel oder über einen Händler in Kleinau zu beziehen. Ansonsten sei es ein Verstoß gegen die Hausordnung“, erklärte Dr. Gerhard Schulz auf AZ-Anfrage. Der Hohengriebener und ehemalige Mehmker Bürgermeister wollte unter solch einen Vertrag nicht seine Unterschrift setzen, zumal bei Nichteinhaltung der „Hausordnung“, die übrigens laut Schulz gar nicht vorgelegt wurde, im DGH Sanktionen seitens der Kommune angedroht wurden. Daraufhin wandte sich Dr. Gerhard Schulz zwecks Anfragen an das Diesdorfer Bürgerbüro, den Getränkevertrieb in Kleinau, die Verwaltung in Beetzendorf, den Bürgermeister und auch an Ratsmitglieder.

Fehlanzeige! Dort konnte ihm hinsichtlich des DGH-Mietvertrages und des Vertrages mit der Kommune niemand hinreichend Auskunft geben. Alle Anfragen zum Inhalt des Vertrages blieben unbeantwortet. „Wir haben dann anderenorts gefeiert. Auch weil wir unsere eigene Bewirtung hatten, die sich nicht vorschreiben lassen wollte, woher sie ihr Bier bezieht“, erklärt Schulz verärgert. Sein Fazit: Selbst wenn dieser ganze Vorgang rechtlich einwandfrei sein sollte und von der Kommunalaufsicht des Landkreises nicht beanstandet werden sollte, bleibe ein fader Beigeschmack des moralisch verwerflichen Handelns. „Wenn per Vertrag vorgeschrieben ist, dass ich mein Bier bei einem Diesdorfer Ratsmitglied kaufen muss, so ist das ein Unding“, betont der Hohengriebener.

40 000 Liter: „Menge kommt niemals zusammen“

Auch dass sich die Kommune dazu hinreißen ließ, überhaupt diesen Vertrag (wenn es einen gibt) mit einem Gesamtkonsum-Bierlimit von 40 000 Litern zu unterzeichnen, sei völlig überzogen. „Wenn in den vier Dorfgemeinschaftshäusern jährlich je fünf Feiern stattfinden, wo jeweils selbst ein ganzes Fass getrunken würde, kommt diese Menge niemals zusammen“, rechnet Schulz vor. Dem Gemeinsinn der DGHs werde dies zudem nicht gerecht. Um fair zu bleiben, sei die Kommune besser beraten, die Mieter der DGH im Vorfeld über Angebote mehrerer Caterer, Getränkefirmen oder Gastwirte der Region zu informieren, lautet ein Vorschlag.

Von Kai Zuber

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