Juni-Unwetter sorgt für 10 000 Festmeter Holz-Schaden / Kiefer, Eiche und Douglasie sind Angriffen besser gewachsen

Bollwerk gegen den nächsten Sturm

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Nils Fricke, Mitarbeiter einer niedersächsischen Holzfirma, rückt im Bereich des Revieres Beetzendorf sogenannten Windbruch. Er hat durch die extreme Wettersituation mit heftigen Stürmen viel zu tun.

Beetzendorf / Diesdorf / Klötze. Es stürmt, dicke Äste landen auf der Straße, große Eichen werden mühelos entwurzelt. Die Scheibenwischer laufen auf Hochtouren und sorgen dennoch nicht für freie Sicht. Der Sturm, der am 24. Juni über das Land fegte, richtete viel Schaden an.

„Wir haben durch den Sturm 10 000 Festmeter Holz verloren“, beziffert der Leiter des Forstamtes Westliche Altmark, Helmut Jachalke, den Schaden genau. Das entspricht 15 Prozent des Jahreseinschlages. Ungefähr die Hälfte davon in den sechs Revieren der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf, die durch das Klötzer Forstamt betreut werden. Vor allem die Region Wallstawe / Niephagen / Tylsen ist betroffen.

Forstamtsleiter Helmut Jachalke.

Und die Unwetter häufen sich. Starkregen fällt, Rekordwerte von 60 Liter pro Quadratmeter werden dabei erreicht. Darunter leidet weniger der Wald, als die zahlreichen Waldwege, die durch die starken Niederschläge zerstört werden. Und dann folgen wieder mehrere Wochen am Stück, wo kein einziger Tropfen Regen fällt. Der Regen, im Sommer so dringend gebraucht, fällt dafür meist im Winter und somit nicht in der Wachstumsphase der Bäume. Helmut Jachalke sieht den Klimawandel als ausschlaggebenden Faktor. Viele Bäume, beispielsweise Buche und Fichte reagieren empfindlich auf zu lang andauernde Trockenperioden.

Darauf müssen die Forstleute nun reagieren. „Buche und Fichte sollten in der Altmark nicht mehr angepflanzt werden“, urteilt Jachalke. Standortgemäßer seien Kiefer, Douglasie und Eiche, Bäume, die auch den Sturmangriffen besser gewachsen sind. Nun sind Gehölze mit großer Wurzel und großer Krone gefragt. „Wir müssen früh damit anfangen, Maßnahmen zu ergreifen, damit solche Bäume entstehen“, so der Forstmann. Das habe man bisher leider ein wenig verpennt.

Auch Waldschädlinge werden durch die Wetteränderungen ein immer größeres Problem. Der Eichenprozessionsspinner stammt normalerweise aus Südeuropa und fühlt sich in der Altmark neuerdings pudelwohl. „Noch nie gab es hier in den vergangenen Jahren so viel Probleme“, weiß Jachalke. Normalerweise ist eine Schädlingsplage nach zwei Generationen schon wieder vorbei. Zudem sorgen Pilze dafür, dass einige Baumarten momentan zu verschwinden drohen. So die Eschen, die mit einem Pilz, ursprünglich aus Japan, zu kämpfen haben.

Der Lage – besonders mit dem sogenannten Windbruch – Herr zu werden, „ist wahnsinnig aufwendig“, betont der Forstamtsleiter. Dabei ist natürlich auch jeder Waldbesitzer in der Pflicht, Schäden zu melden und in seinem Buschwerk die Augen offen zu halten. „Und nicht denken: ,Darum kann ich mich auch noch im Herbst kümmern‘“, macht Helmut Jachalke deutlich. In erster Linie bedarf es aber den guten Fachkenntnissen der einzelnen Revierförster, die für die Verbandsgemeinde in Diesdorf, Dähre, Kuhfelde, Jübar, Tangeln und Apenburg sitzen. Sie fahren die Wälder ab, halten Ausschau, informieren Waldbesitzer und leiten bei Schäden weitere wichtige Schritte in die Wege. „Die kümmern sich, dass aus der prekären Lage keine Katastrophe wird.“

Von Melanie Friedrichs

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