Arendsee: Haus des Nachbarn rückte beim Umbau immer näher / Kreis gab Genehmigung

Wenn zu große Nähe das Gericht beschäftigt

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Links das Haus der Familie Lindemann-Luiken, rechts das der Nachbarn. Der Streit ist entbrannt, weil der Kreis dem Nachbarn nach Baubeginn einen Abweichungsbescheid erteilte. Ob die Abstände eingehalten sind, prüft nun das Verwaltungsgericht.

Arendsee / Schrampe. „Ein Nachbar kann nicht gegen alles vorgehen“, sagt Kerstin Lingstädt vom Bauordnungsamt des Altmarkkreises. Die Altmarkzeitung hatte nachgefragt, warum der Nachbar der Hausbesitzerin Dr.

Heike Lindemann-Luiken sein Gebäude derart verändern konnte, dass die laut Baugesetz vorgeschriebenen drei Meter Abstand nicht mehr eingehalten werden. „Die Unterschreitung von im Baugesetz vorgegebenen Maßen akzeptieren wir nicht. Und dass das alles mit Genehmigung des Altmarkkreises passiert, macht die Sache umso schlimmer“, sagt Dr. Lindemann-Luiken im Gespräch mit der AZ.

Es geht um ihr Anwesen am Schramper Eck gegenüber der Alten Schmiede. Der Nachbar hatte, so erfuhr es die AZ, im Juli 2014 die Baugenehmigung beantragt, einen Monat später einen Antrag auf Abweichung bezüglich der Abstandsflächen nachgeschoben. Die Familie Lindemann-Luiken hatte im Oktober des gleichen Jahres dem Nachbarn mündlich erklärt, dass es ihrerseits kein Einverständnis gibt. Diese Meinung wurde dem Kreisbauamt im November 2014 schriftlich bekannt gegeben. „Am 19. November begannen trotz allem die Bauarbeiten mit der Entfernung des alten Dachstuhls“, erinnert sich die Familie. „Es ist einfach nicht zu verstehen, dass im Dezember 2014 erst die Baugenehmigung und der Abweichungsbescheid vom Kreis erteilt wurden“, erfuhr die AZ. „Wir sind in Widerspruch gegen die Erteilung gegangen“, so Dr. Lindemann-Luiken.

Nun soll das Landesverwaltungsgericht in Magdeburg Klarheit bringen. Kerstin Lingstädt hält sich gegenüber den Fragen der AZ mehr als bedeckt. Denn: Gegner in dem Verfahren ist nicht der Bauherr nebenan, sondern der Landkreis, die Kreisverwaltung. Es habe keine Verstöße gegeben, hieß es auf Nachfrage der AZ aus der Kreisverwaltung. Es sei sicher jedem Bürger die Möglichkeit gegeben, sich gegen Dinge zu wehren. „Gegenstand der Prüfung wird der beanstandete Abstand sein“, sagt Kerstin Lingstädt. Man müsse abwarten, wie das Gericht entscheidet.

Familie Lindemann-Luiken sieht in dem Bau nebenan grobe Verstöße gegen geltendes Recht. Zumal aus dem Altgebäude ein völlig neues entstanden ist, mit einem ausgebauten Dachgeschoss und der Tatsache, dass das Dach extrem dicht an ihr Anwesen reicht. „Wir hatten gehofft, dass dem Einhalt geboten wird. Aber klar ist auch, wenn der Kreis dem Nachbar das alles genehmigt, dass er es dankend annimmt“, erklärt die Familie. Sie hofft, dass die im Raum stehenden drei Meter nach dem Richterspruch eingehalten werden. Denn die derzeitige Nähe will sie so nicht akzeptieren.

Von Harry Güssefeld

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