Bürgermeister hatte Einwohner aus Arendsee, Genzien und Gestien in das Integrationsdorf eingeladen

Mit wenig Geld und viel Elan in die Zukunft

+
Leere Kassen, aber den Optimismus nicht verlieren. Arendsee arbeitet so am „Zukunftskompass.“

gü Arendsee. Es waren rund 60 Männer und Frauen, die zur Veranstaltung „Zukunftskompass“ in den Mehrzwecksaal des Integrationsdorfes gekommen waren. Eingeladen hatte die Stadt – Bürgermeister Norman Klebe begründete die Aktion.

Man wolle weg von einem Konsolidierungskonzept, das allein der Stadtrat und der Bürgermeister beschließen. Mittlerweile fehle die Akzeptanz selbst bei den Stadträten, denn seit 1995 schlage man sich mit Konsolidierungskonzepten herum, um die Stadtfinanzen wieder ins Lot zu bringen, wie es hieß. Der Weg, der nun eingeschlagen werden soll, soll gemeinsam mit den Bürgern gegangen werden. Es gehe darum, die wenigen Mittel, die zur Verfügung stünden, effektiv einzusetzen, so Klebe. Die Bürger sollen entscheiden, was in Zukunft wichtig ist und was nicht. Dazu wurde ein Fragebogen verteilt. Denn alle Anwesenden, aber auch jeder Bürger der Stadt, kann ihn bis Ende Juni ausgefüllt im Rathaus abgeben. Dann werden „Zukunftswerkstätten“ aktiv, die den Weg vorgeben sollen, wie die Entwicklung der Stadt aussehen könnte.

Die Frage machte die Runde, ob überhaupt etwas passiere, wenn kein Geld da sei. Zaghafte Versuche von Anwesenden, so der Wunsch nach einem Radweg von der Bahnhofstraße in Richtung Gartenanlage und Tankstelle, wurden nicht konkret beantwortet. Man solle bei dem Punkt Ausbau der Infrastruktur eine „1“ ankreuzen. Das bedeute, man gebe dieser Aufgabe eine besondere Bedeutung. Und schon könne auch der Gehweg in Zukunft eine Rolle spielen. So einfach würde es gehen.

„Wir müssen uns bewegen, sonst werden wir bewegt“, hieß es am Montagabend. Inzwischen ist diese Art der Veranstaltung schon in allen Ortsteilen gelaufen. Es scheint fast unvorstellbar, dass die Bürger wichtige Teile ihrer Dörfer zur Disposition stellen. Beispiel Feuerwehr. Auch wenn in vielen Dörfern längst klar ist, dass die Wehren nur noch auf dem Papier bestehen, will man sie erhalten. Und allein der Wille kostet Geld, viel Geld. Und dass die Einheitsgemeinde nicht effektiv arbeiten kann, hatte der scheidende Hauptamtsleiter Andreas Koch bei seinem Abschied erklärt. Zuvor hatte er als Angehöriger der Verwaltung auch zur Stange halten müssen. Doch auf immer weiter sinkende Einwohnerzahlen müsse reagiert werden, eventuell auch durch eine Landkreisreform, die nach Ansicht einiger Kommunalpolitiker vor der Kommunalreform im Kleinen hätte passieren müssen.

„Arendsee ist nicht der Nabel der Welt“, hatte Professor Dirk Furchert erklärt. Der Wirtschaftsfachmann, der einen Gastbeitrag lieferte, machte schmerzhaft deutlich, dass allein große Regionen von der aktuellen Situation profitieren. Sachsen-Anhalt ist Schlusslicht in vielen wichtigen Dingen. Er sprach es aus, während hiesige Politiker immer noch predigen, hier sei der Nabel der Welt.

Kommentare