Frank Grabowski aus Zießau legt Finger in die Wunde

„Das Warten auf Internet zermürbt“

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Idylle pur: Zießau (unten links) am Arendsee ist ein Dorf, das Einwohner und Urlauber attraktiv finden. Wäre da nicht das Dilemma mit dem Internet. Junge Leute bleiben nicht, hieß es am Montag. Und die, die blieben, sind genervt.

Zießau. Frank Grabowski fühlt sich in seiner Haut als Ortschaftsratsmitglied nicht mehr wohl. Wenn Leute ihn ansprechen, was denn nun mit dem Internet wird, muss er passen.

„Ich habe langsam die Nase voll, ich weiß nicht mehr, was ich den Leuten sagen soll“, erklärte Grabowski am Montagabend während der Einwohnerfragestunde im Stadtrat, der auf dem Saal des Restaurantes „Zur Wildgans“ tagte. „Erst war es die Arche-Net, für die wir werben sollten. Das war ein Schuss in den Ofen“, so Grabowski. Und nun das Breitband. Viele im Dorf hätten Vorverträge unterzeichnet, die sechs Monate gültig seien. Passiert sei aber nichts, die Menschen fühlten sich hinters Licht geführt. „Die Leute vertrauen einem nicht mehr“, so der Zießauer. Die Vorverträge seien nun nichts mehr wert, es müssten neue Verträge abgeschlossen werden. Aber er wisse nicht mehr, wie er argumentieren soll. „Ich selbst leide unter der Tatsache, dass sich in Sachen Internet nichts tut. Ich kann die kleinsten Informationen nicht nach Arendsee senden, weil hier nichts geht. „Die Bürger erwarten dazu Antworten. Der Zweckverband Breitband Altmark (ZBA) sollte Antworten finden und ehrlich sein, wenn es wieder erledigt ist“, so Grabowski.

Arendsees Bürgermeister Norman Klebe, Verfechter der Idee des ZBA, musste kleinlaut zugeben, dass es Probleme hinsichtlich der geplanten Abdeckung mit Breitbandinternet gibt. Er hatte bereits vor Wochen eine neue Initiative der Breitbandengel angekündigt, um Kunden zu werben. Auf der Seite dieser Werber kann jedermann lesen: 28 Prozent aller Grundstückseigentümer hatten inzwischen Verträge abgeschlossen – die inzwischen aber vielfach nicht mehr gültig sind. Diese 28 Prozent reichen aber nicht, so dass Norman Klebe hofft, dass zum Ausbau des Glasfasernetzes Fördermittel fließen. Bis 2017 sollte der Bereich Arendsee schon über das schnelle Internet verfügen. Doch der Kunde wird auch von anderen Anbietern umworben. „Keiner weiß mehr so richtig, was er tun soll“, so Grabowski.

Zu den Orten, in denen die Breitbandengel viele Verträge schrieben, gehören Kaulitz, Kerkuhn, Molitz und Zühlen. Meistens sind in den Orten, in denen internettechnisch überhaupt nichts läuft, am aktivsten. Ohne Internet gehen die jungen Menschen. Doch es passiert nichts.

Von Harry Güssefeld

Auf einen Blick

Aktuelle Verträge zum Breitbandanschluss

in den Orten der Region Arendsee:

(in Prozent)

Arendsee

12

Binde

28

Dessau

30

Fleetmark

40

Gestien

6

Harpe

18

Höwisch

17

Kassuhn

10

Kaulitz

55

Kerkuhn

57

Kläden

23

Kleinau

22

Kraatz

8

Ladekath

25

Leppin

23

Lohne

42

Lübbars

34

Lüge

42

Mechau

5

Molitz

50

Neulingen

40

Ortwinkel

-

Rademin

33

Ritzleben

-

Sanne

10

Schernikau

23

Schrampe

3

Störpke

16

Thielbeer

22

Vissum

3

Zehren

27

Ziemendorf

34

Zießau

35

Zühlen

60

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