Mitglieder des Jugendfilmcamps drehten eine Episode in der Theodor-Fontane-Schule

Vier Länder, ein Film

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Der Klassenraum 14 der Theodor-Fontane-Schule wurde gestern Mittag zu einem Drehort für den Film „Zug“. Die Hauptrolle spielt Jan, der eigentlich Jonny heißt und aus der Schweiz kommt. Der Dreh klappte perfekt, das Team ist eingespielt.

Arendsee. Das Drehbuch ist geschrieben, in diesen Tagen entsteht der Film mit dem Arbeitstitel „Film“. Gestern drehten Jonny aus der Schweiz, Wiebke und Josephine aus Deutschland, Muriel und Victoria aus Italien sowie Lucía aus Spanien eine Episode in der Sekundarschule.

Der Klassenraum 14 als Originalschauplatz. Der 14-jährige Jan, Hauptdarsteller, wird gemobbt. Er muss seiner Mitschülerin die Englischhausaufgaben aushändigen. Irgendwie kann er sich kaum dagegen wehren, und will es auch nicht. Denn Jan hat mehr Probleme. Als seine Mutter stirbt, beginnt sein Vater zu trinken, seine Schwester hat die Glasknochenkrankheit und so wird Jan seiner Situation nicht mehr Herr. Schließlich landet er in einer Psychiatrie. Diese Räumlichkeiten konnten nicht so einfach 1:1 übernommen werden, weil es ja in Arendsee keine Psychiatrie gibt. Der Versuch, das im Kloster zu realisieren, überzeugte die jungen Leute nicht und so wurde im Studio, im Camp selbst, ein Raum „gebastelt“, der die Tristesse der Psychiatrie wiederspiegelt. „Wir haben das jetzt gut hinbekommen“, freut sich Josephine.

Der Dreh in der Schule gestern Mittag lief gut. Die Bilder sind nach und nach im Kasten, Jonny (Jan) wird nicht müde, seiner Mitschülerin die Englischaufgaben immer und immer wieder zu übergeben. Tipps vom Camp-Leiter Norman Schenk werden dankbar angenommen. Mimik muss sein. Das Entsetzen über die Handlung des Mädchens, das dem Jungen auch körperlich überlegen scheint, soll die Ohnmacht und Wut ausdrücken. Der Zuschauer vermutet, dass Jan bald explodiert. Aber das sieht das Drehbuch nicht vor. Der Film endet laut Drehbuch nicht mit einem Happyend. Der 14-Jährige bleibt in seiner Welt, nur kurz wird die Hoffnung wach, „dass es eine Welt da draußen gibt“, er war bereit, „seinem neuen Leben entgegenzutreten“. Doch er „wird von seiner monotonen Vergangenheit“ wieder verschluckt.

„Warum lässt man den Jungen nicht wieder aufwachen, nicht als aktiven Mann an der Gesellschaft teilhaben“, will die AZ von Norman Schenk, dem Camp-Leiter, wissen. „Unsere Generation möchte, dass solche Dinge sich zum Positiven wenden. Aber unsere jungen Drehbuchautoren nicht“, schmunzelt er. So trinkt der Vater weiter und der Junge schläft über seinen Hausarbeiten ein und wird wieder gemobbt. Den jungen Menschen merkt man den Spaß am Schreiben und am Dreh an. Das Ziel des Camps ist damit mehr als erreicht.

Von Harry Güssefeld

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