Zirkus im Wandel der Zeit: Projekte erweisen sich als Lichtblick

Traditionelle Tierdressuren und Schule per Internet

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Ramon Ortmann zeigte der AZ gestern seine Jonglier-Künste während sich Kamel Ali in der Sonne ausruhte. Der „Circus Malford“ hat sein Quartier auf dem Arendsee Lindenplatz bezogen.

Arendsee. „Es ist schon traurig, wenn ein Stück Kultur verloren geht“, erzählte Shirley Ortmann gestern Wehmütig. Sie gastiert mit dem „Circus Malford“ derzeit in Arendsee.

Das Unternehmen besteht seit Jahrhunderten, hat seine Ursprünge in der Gaukelei und kämpft wie die gesamte Branche um das Überleben. Das Angebot an Freizeitmöglichkeiten ist insbesondere durch die technische Entwicklung riesig, traditionelle Künste wie zum Beispiel Clownerie, Akrobatik und Tierdressuren haben es schwer.

Das Internet macht vor dem Zirkus nicht halt und hat auch eine positive Entwicklung. „Bei mir war es noch so, dass nahezu wöchentlich die Schule gewechselt wurde“, erinnert sich Charley Ortmann. Inzwischen gibt es Unterricht am Laptop. Eine feste Bildungsstätte wird nur in der Winterpause, die der Zirkus in der Nähe von Oebisfelder absolviert, aufgesucht. „Da die Zukunft so unsicher ist, wird ein guter Abschluss immer wichtiger“, weiß Charley Ortmann. Die Altersspanne der 20 Mitarbeiter, die Größtenteils zur Familie gehören, reicht von drei bis 72 Jahren. Eines hat sich im Laufe der Generationen nicht geändert, vom Zirkusvirus werden bereits die Kleinsten angesteckt, weil sie frühzeitig fester Bestandteil des Alltags sind.

Dieser besteht aus Vorführungen, Auf- und Abbauten sowie Reisen. Während der Betrieb viel in den Niederlanden und Belgien unterwegs war, steht nun wieder Deutschland und damit auch Arendsee auf dem Tourenplan. Bevor der erste Gast Eintritt bezahlt, machen die Kommunen bereits Rechnungen auf. Der Luftkurort verlangt zum Beispiel 400 Euro nur für das Benutzen des Stromanschlusses, der Verbrauch würde dann noch drauf kommen.

„Für uns ist es trotz des Diesels günstiger, Generatoren zu verwenden“, unterstrich Charley Ortmann gestern im AZ-Gespräch. Hinzu kommen Platzmiete, Gebühren für das Aufhängen von Plakaten und einiges mehr.

Trotz der Probleme soll an Traditionen festgehalten werden. Zum zweistündigen Programm gehören Livemusik genauso wie Clowns und Jongleure. Insbesondere die Luftakrobatik gehört zu den Höhenpunkten bei Malford. Dabei kommen die seltenen russischen Seile zum Einsatz. Auch Dressuren mit Kamelen, Pferden und Kleintieren gehören zu den Höhepunkten.

Das Zelt bietet Platz für 800 Menschen, ist aber nur noch selten voll. Ein Lichtblick für die Zirkusleute sind Schulprojekte, die immer mehr gefragt sind. Das Grundprinzip: Die erfahrenen Artisten proben mit Schülern einige Dinge ein, die sie dann den Eltern, Großeltern und weiteren Verwandten zeigen. „Das nimmt immer mehr zu“, freut sich Charley Ortmann über die zusätzliche Einnahmemöglichkeit.

Von Christian Ziems

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