Fleetmarker reagieren meist mit Unverständnis

Sparkassen-Sparplan: Ein trauriger Tag für das ganze Dorf

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Gertrud Bengsch (86): Sie bedauert, dass die Sparkasse nicht mehr besetzt ist. Ihre Tochter muss ihr nun helfen.

Fleetmark. „Es war immer so beruhigend, wenn hier Personal saß. Ob ich jetzt noch allein an den Geldautomaten gehe, das weiß ich nicht. “ Gertrud Bengsch aus Fleetmark nutzte gestern noch einmal die Möglichkeit, in ihrer Sparkasse einiges zu erledigen.

Morgen wird sie dichtgemacht. Na, ganz nicht: Ein Servicepunkt soll bleiben. Mit Geldautomaten, und der Möglichkeit, Überweisungen zu tätigen. Selbstbedienung heißt das. Die Mitarbeiterin soll nach Arendsee wechseln, bei Bedarf auch noch in Fleetmark beraten. „Das glaube wer will, ein anderes Geldinstitut hatte auch dichtgemacht und uns weiter einen Geldautomaten versprochen. Klammheimlich war dieser dann auch verschwunden“, erinnert sich Irene Schulz gestern. Und Frank Röhl vom gleichnamigen Autohaus sieht die Sparkasse in der Pflicht, als öffentliche Einrichtung etwas für die Region zu tun. „Die Sparkasse erklärt, der demografische Wandel ist Schuld. Wer das erklärt und sich zurückzieht, provoziert diese Negativ-Entwicklung auf den Dörfern“, ergänzt Irene Schulz. Für sie klingt beispielsweise Onlinebanking wie ein Hohn. Das Internet gibt es nicht her, die Leistung ist zu gering. Sie habe den Eindruck, dass irgendetwas gesucht werde, um Kosten zu sparen. Auf Kosten der Bürger.

Immer wieder kommen Kunden in die Geschäftsstelle. Für Ortsbürgermeisterin Angelika Muhabbek wird es heute ein trauriger Tag sein. „Ich gehe mit Blumen hin, um mich bei der Mitarbeiterin zu bedanken“, sagt sie gestern. Wenn etwas wie die Sparkasse sich zurückzieht, dann trifft es in erster Linie die Älteren. „Die Politik fordert, dass sich die Bedingungen auch auf den Dörfern verbessern. Doch alle sehen, dass nur noch Geld entscheidet“, sagt sie.

Fleetmark sei aber im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern in der Region Arendsee noch gut versorgt. Mit Kita und Schule, mit Bahn und Bus, mit einem NP-Markt und Autohäusern und dazugehörigen Werkstätten. „Aber wo Gewerbe ist, da sind auch viele Wege zur Bank nötig“, sagt die Ortsbürgermeisterin. Und sie hofft, dass dieser Selbstbedienungsservice lange Bestand hat und nicht auch irgendwann verschwindet. Mit welcher Begründung auch immer.

Die Fleetmarker sind traurig, auch wenn sie das nicht so offen sagen. Die wenigen Menschen gestern freuten sich, es sagen zu dürfen.

Von Harry Güssefeld

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