Waldheim Arendsee: Stadtrat gibt keine Antworten und ist in der Sache zerstritten

Potentielle Investoren stehen weiter im Regen

+
Das „Waldheim“ – einst eine mondäne Einrichtung für Urlauber des Arbeiter- und Bauernstaates, ist es heute nur noch eine Ruine. Nach dem Brand des Haupthauses war der Traum vieler beerdigt worden, noch irgendetwas davon zu erhalten.

Arendsee. Das Gelände des ehemaligen Ferienonjektes „Waldheim“ in Arendsee gilt als das Problemareal der Seestadt. Seit 25 Jahren bemüht sich die Stadt, die einstige Vorzeigeimmobilie an den Mann oder die Frau zu bringen.

Unzählige Versuche schlugen fehl – meist begründet in der Unfähigkeit der Investoren selbst oder in der Forderung der Stadträte, einige Millionen Euro für die Stadtkasse zu bekommen. Aktuell das gleiche Bild: Im Stadtrat gibt es nach Recherchen der AZ kein einheitliches Handeln der Stadträte, wenn es um die Zukunft der Immobilie, die nur noch eine Ruine ist, geht. Noch immer verlangen Ratsherren, „mindestens drei Millionen Euro“ zu erlösen.

Die AZ kontaktierte jüngst ein mögliches Investorenpaar. Es handelt sich dabei um Dirk Stehr und Matthias Pawlas, zwei Unternehmer aus der Region. Bereits im April hatten die Männer einen Antrag auf Kauf der Immobilie gestellt, im August diesen erneuert – mit einem höheren Gebot. Jenseits der Millionen – doch mit der Verpflichtung, das Gelände zu beräumen, zu sichern und zu bebauen. Mit touristischer Infrastruktur, einem Wohnprojekt mit Gastronomie. „Wir wissen um die Probleme der Kommune. Zum einen kann sie die Verkehrssicherungspflicht nicht garantieren, denn das Grundstück ist weiter offen und eine Gefahr vor allem für Kinder“, so Matthias Pawlas. Zum anderen kostet die Beräumung der Fläche, die mit rund 30 000 Quadratmeter Größe angegeben ist, mehrere hunderttausend Euro – wenn nicht mehr. Asbest, Styropor und andere Dinge, die keiner mehr brauchte, seien mit dabei. Erinnerte wurde auch an den Grundsteuerausfall seit 25 Jahren.

Nach dem Antrag passierte nichts. „Wir sind weder eingeladen worden, noch hat man uns einen Zwischenbescheid gegeben“, sagte einer der Interessenten.

Der Forderung, Millionen zu erlösen, erteilte Matthias Pawlas eine Absage. Die Kosten, die entstünden, um das Grundstück bebauen zu können, seien so enorm hoch, dass man die Kirche im Dorf lassen müsse. „Fakt ist aber auch, dass in fünf bis sechs Jahren der Hunger nach Grundstücken und Immobilien wieder nachlässt“, erfuhr die Altmark-Zeitung.

Die AZ fragte gestern Bürgermeister Norman Klebe und bat ihn, zu erklären, warum die potentiellen Investoren keine Antwort bekommen. Klebe bestätigte die Absichtserklärung der beiden Unternehmer, bestätigte aber auch das, was schon längst bekannt ist: Die Stadträte wollen möglichst viel Geld für die Stadt. „Das ist erst einmal nicht falsch. Aber wir müssen auch erkennen, dass keines der Projekte realisiert werden konnte“, so der Bürgermeister. Immer wieder machten Investoren ihre Aktivitäten von möglichen Fördermitteln abhängig, die nicht flossen. „Es gibt weitere Interessenten, die beiden genannten kommen aus der Region. Andere auch aus anderen Bundesländern“, erklärte Klebe.

Eine Ausschreibung für die Immobilie gibt es nicht. Aber Klebe machte deutlich, dass nach Rücksprache mit der Kommunalaufsicht eine Vermarktung auch ohne Ausschreibung möglich sei. „Man kennt den Zustand in Salzwedel“, sagte der Bürgermeister. Gute Nachricht für die beiden Bewerber: Klebe möchte sie zur nächsten Bauausschusssitzung und in den Stadtrat einladen. Danach sollen sie auch eine Antwort bekommen.

Von Harry Güssefeld

Kommentare