Nach 38 Jahren gingen Mitglieder der „Orions“ noch einmal auf die Bühne / Erwin Giggel aus Cody machte es möglich

Party mit einer nie vergessenen Band

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Die „Orions“ um 1970. Die Männer der Truppe (v.r.): Willi Maas, Roman Achrem, Erwin Hoffmann, Christoph Twardon, Willibald Faber und Heinz Angerhöfer.

Bretsch / Arendsee. Ralf und Angela Börs aus Erxleben hatten sich entschieden: Ihren 30. Hochzeitstag wollten sie gemeinsam mit Freunden und Verwandten feiern. Und der Ort stand auch schnell fest: Die Party sollte in Cody steigen. Bei den Westernfreunden.

Warum? „Wir sind immer, wenn wir können, beim Westerntreffen dabei. Und weil es uns hier so gut gefällt, haben wir diesen Ort gewählt“, sagten beide.

Und im Westerndress empfingen sie ihre Gäste. Und unter denen waren ganz besondere Leute: Mitglieder der Band „Orions“ aus einer längst vergangenen Zeit. Warum gerade bei dieser Party? Der Vater der Jubiläumsbraut, Erwin Hoffmann, hatte einst bei den „Orions“ gespielt. Am Schlagzeug. Und seine Kumpel Willibald Faber (Gesang, Gitarre), Willi Maas (Bass) und Detlef Karnstedt (Gitarre) waren nach Cody gekommen. Detlef Karnstedt, inzwischen 63 Jahre jung, traf so auch seinen Bandleader Willibald, der bereits seinen 77. gefeiert hat. Willi Maas, auch bereits 67, machte das Quartett, das meistens früher als Sextett tourte, an diesem Tag komplett. 1964 soll es begonnen haben, dass die „Orions“ auf den Bühnen der Altmark standen. „Vor allem in den Bereichen Salzwedel und Arendsee, aber natürlich auch in Seehausen und Osterburg waren wir knapp 15 Jahre unterwegs“, so der 77-Jährige Willibald Faber. Und er erinnert sich an die Auflagen – 40 Prozent „Westmugge“ und 60 Prozent Lieder aus dem Osten zu singen. Das gelang kaum, aber manchmal bekamen sie Stress. Die Frage, was denn so die Lieder von einst waren, hieß es: „Poor Boy“, „Green, green gras of Home“, Blue way shoes“ aber auch „Zwei schöne Jahre“, „Ich geh’ vom Nordpol zum Südpol zu Fuß“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ oder der Titel „Ganz in Weiß, mit einem Blumenstrauß“ waren Songs, die die Jugend von einst hören wollte.

Am Sonnabend gab es dann, nach 38 Jahren, einen ersten Versuch der Auferstehung. Ja, es klappte. Willibald und Detlef wurden unterstützt von Erwin Giggel alias Buffalo Bill und dessen Sohn Florian. Sie schmetterten und spielten die Songs von einst, und je später der Abend, desto dicker die Gänsehaut bei den Gästen.

Die Männer von den „Orions“ hatten Spaß daran, die Gesellschaft und ihren einstigen Drummer Erwin Hoffmann noch einmal in die Welt des Jugendtanzes von früher zu entführen. Willi Maaß und seine Mannen hatten nicht vergessen zu erzählen, dass das Bandfahrzeug oft ein Auto aus einem volkseigenen Betrieb war. Damals kein Problem, „zum Zwecke des Jugendtanzes“ ein Fahrzeug einzusetzen. Denn einen eigenen Bus, wie heute die Bands, hatten die „Orions“ damals nicht.

Das Paar, das seinen 30. Hochzeitstag feierte, hatte noch eine Überraschung für alle Anwesenden. Ehemann Ralf präsentierte seinen Bruder Jürgen, den er im Juli nach 50 Jahren erstmals wiedergesehen hatte. „Alle Familien haben ihre Geschichte, und wir auch. Ich freue mich, dass wir uns wiedergesehen haben, und noch ein wenig Zeit haben, das zu genießen“, so Ralf Börs gegenüber der AZ.

Es war ein Tag voller Überraschungen. Dass die „Orions und Friends“, an dem Tag „Old Man River Band“ genannt, ihre Songs in den Abend schmetterten, werden die Gäste und Bewohner Codys nicht vergessen. Es erwachten viele Erinnerungen an eine Zeit, in der die jungen Menschen in der Region sich auf die Sonnabende mit den „Orions“ oder „Rhythmus 69“ freuten. „Wir wechselten uns in den Orten ab“, sagte Willibald Faber. Zur Freude der jungen Leute.

Von Harry Güssefeld

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