Rund 30 junge Menschen machen Arendsee zu Klein Babelsberg

Neuer Ort, neue Visionen: Filmcamp unter Kiefern

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Die ersten jungen Menschen des Jugendfilmcamps 2016 am Montagabend nach der Vorstellungsrunde. Sie kommen aus vier verschiedenen Ländern.

Arendsee. Es schien einige Jahre die Ideallösung zu sein: Ein Filmcamp in einem Ex-DDR-Kino. Doch der Chef des Jugendfilmcamps, Norman Schenk, wechselte mit seinen Mitstreitern nicht nur den Ort, sondern will mehr als Filmchen drehen.

Er will eine kleine Filmstadt etablieren, die sich schon jetzt sehenlassen kann. Räume für Regie, Schnitt und Ideen, ein Kinosaal und Wohnwagen, die als Hotel mit Etagenbetten dienen: Alles das haben Schenk und viele Freunde und Mitstreiter in drei Monaten aus dem örtlichen Kinderferienlager gezaubert. Für drei Jahre ist der Pachtvertrag unterzeichnet. „Wenn es länger wird, dann ist es gut. Wir wollen bauen, und wenn nicht hier, dann an einem anderen Ort in Arendsee“, sagte der Chef des Camps. Am Montagabend konnte er rund 30 junge Leute im ersten Durchgang begrüßen. Aus Spanien, aus der Schweiz, aus Italien und aus Deutschland. Ein bunte Mischung aus Vorgebildeten und Enthusiasten, Ausprobierern und Suchenden nach dem beruflichen Sinn des Lebens. Sie alle wollen Filme machen, vor oder hinter der Kamera stehen. Und die besten Streifen werden wieder der breiten Öffentlichkeit präsentiert. In diesem Jahr wird das Filmfestival im Integrationsdorf nebenan stattfinden.

Doch bis dahin heißt es ranklotzen. Ideen haben, umsetzen. Drehbücher schreiben. Angeleitet von Aussteigern der besonderen Art. Wie Mattthias Poppe, der ähnlich wie Norman Schenk, sich einst dem Schauspiel verschrieben hatte und sich nun aufs Filmemachen konzentriert. Dass Filmleute lange arbeiten hat zur Folge, dass sie auch lange schlafen. Frühstück ist ab 9 Uhr. Unter Kiefern wird dann am Morgen diskutiert. Denn das Produkt – drei Filme in einer Woche – sind eine große Herausforderung.

Arendsee wird zu Klein Babelsberg. Wer sich umsehen möchte, kann es tun. Die Filmleute sind, wenn sie nicht gerade gestresst sind, bei der Umsetzung ihrer Ideen ein großartiges Volk. Es sind junge Leute und wenn sie nicht aus dem Ausland kommen, dann wohnen sie in Osterburg, oder Lüneburg oder einfach auch in Arendsee. .

Was Schenk so fasziniert? „Dass ihr in der Lage seid, Fehler zu machen, um daraus zu lernen“, sagte er zur Begrüßung. Nichts sei immer perfekt, es wird aber perfekt gemacht, damit es höchsten Ansprüchen genügt. Arendsee wird zu Klein Babelsberg. Langsam, aber sicher.

Von Harry Güssefeld

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