Christian Streiter will Donnerstag nicht mehr zur Ortsbürgermeisterwahl in Kläden antreten

„Nach knapp 30 Jahren ist es gut“

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Seit 1986 – mit einer kurzen Unterbrechung – ist Christian Streiter Bürgermeister bzw. Ortsbürgermeister in Kläden. Am Donnerstag, wenn neu gewählt wird, wird er nicht mehr kandidieren.

Kläden. Wenn am kommenden Donnerstag ab 20 Uhr in Kläden der Ortschaftsrat einen neuen Ortsbürgermeister wählt, wird sich Christian Streiter nicht mehr als Kandidat zur Verfügung stellen. Das erklärte er am Sonntag im Gespräch mit der AZ.

„Es reicht. Es war eine lange Zeit“, sagte er. Und er erzählt. 1986 war es, als er mit Parteiauftrag nach Kläden geschickt wurde. Seinen Job als Leiter eines geplanten Technikstützpunktes in der LPG Sanne-Kerkuhn sollte er aufgeben, um in Kläden Bürgermeister zu werden. „So war das. Ich habe Landtechnik studiert, und plötzlich war ich Bürgermeister“, so Christian Streiter. Nur kurze Zeit – rund eineinhalb Jahre – war er stellvertretender Bürgermeister. Das war Anfang der Neunziger. Dann übernahm er wieder das Zepter. Also inzwischen knapp 30 Jahre.

Die Partei sagte damals, 1986: „Kläden ist eine Gemeinde ohne Probleme.“ Als Nicht-Klädener hieß es für Christian Streiter, die Zügel in die Hand zu nehmen. Hauptaufgabe eines Bürgermeisters: sich die Probleme der Leute anhören und möglichst lösen helfen. „Ich denke, das ist mir ganz gut gelungen“, so Streiter.

Der Wahl-Klädener bescheinigte im Gespräch mit der AZ dem Rat einen guten Job. „Es war immer so, dass die Politik keine Rolle spielte, wenn es um die Gemeinde oder später den Ortsteil ging. Wir hatten alle ein Ziel, wenn auch nicht immer einstimmig. Aber das ist ist ja Demokratie“, so Christian Streiter.

Gern hätte er noch eine Sache erledigt. Die des Abwassers. „Es ist dringend geboten, und die Oberflächenentwässerung ist völlig marode“, weiß der Noch-Bürgermeister. „2019 soll es soweit sein. Ich hoffe, dass es sich nicht noch weiter verschiebt“, meint er.

Die AZ wollte wissen, warum in Sachen Dorfstraße noch nichts passiert ist. „Wir hatten eine grobe Kostenschätzung“, so der Bürgermeister. Doch auf die Bürger runtergerechnet, da habe es Unruhe gegeben. Dazu kam, dass der Wasserverband irgendwann die Straße aufnehmen wollte. Dann wäre eine voreilige Handlung unklug gewesen, erklärt Streiter.

Nach der Wende gab es noch ausreichend Mittel, um etwas zu bewegen. „Doch die Einwohnerzahl schrumpfte auf rund 200, damit blieben auch weniger Zuweisungen“, hieß es während eines Kaffees auf dem „Bürgermeisterhof“. Andere Kommunen seien gesegneter damit gewesen, so Kleinau und Mechau.

„Was gefällt Ihnen in Kläden besonders?“, wollte die AZ wissen. Streiter überlegt nicht lange und ist vollen Lobes für die Vereine des Ortes. Den Förderverein der Feuerwehr und den Klädener Karnevalsclub (KKC). „Früher gab es noch den Sportklub und den Gesangsverein“, erfuhr die AZ. Die beiden bestehenden Vereine seien der Garant dafür, dass sich die Jugend im Ort wohlfühle und Verantwortung übernimmt. „Eine tolle Sache, wie da mitgezogen wird. Das passt“, freut sich der Noch-Amtsinhaber. Und wünscht sich, dass die Jugend bleibt. Oder wiederkommt. Kläden sei für ihn lebenswert.

Wenn er nun den Job als Ortsbürgermeister auslaufen lässt, dann wird ihm sicher nicht langweilig. Als Vorsitzender des KKC ist er aktiv, seinem Job muss er noch nachgehen, und da ist noch das große Hobby – seine Fahrzeuge. Jüngstes Mitglied in seiner Sammlung ist ein Ford Mustang, lindgrün, aus dem Jahr 1966. „Ich wollte ihn“, sagt Streiter und man merkt ihm an, dass er verdammt stolz ist. Und dass alles, was er sammelt, auch laufen lernt, bewies der Klädener mit seinem Citroen B 14 aus dem Jahr 1928. Oder mit seinem Oldtimer Golf I Cabrio. Oder mit seinem Lkw S 4000.

Der Mittfünfziger ist zufrieden. Seine Frau Karola ist mit ihm schon über die Grenzen des Dorfes hinaus gereist. Sogar bis Neuseeland. Ein Blick in die weite Welt. Ja, das gehört für ihn dazu.

Von Harry Güssefeld

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