Kassuhner begingen am Sonnabend mit hunderten Gästen das 1060-jährige Bestehen / Familien mit dem Ortsnamen dabei

Kleines Dorf feiert in großer Gemeinschaft

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Die Kassuhns in Kassuhn: Hans-Jürgen (v.l.), Stephanie, Carlo, Felix, Solveig, Angela, Elke, Renate, Anna, Lisa, Maria und Thomas. Sie heißen oder hießen alle Kassuhn mit Geburts- oder Familienname.

leh Kassuhn. Kleines Dorf ganz groß. Dieser Satz trifft für das 39-Seelen-Dorf Kassuhn zu. Am Sonnabend feierten die Einheimischen mit mehreren hundert Besuchern das 1060-jährige Bestehen. Und das Programm konnte sich sehen lassen.

Arendsees Bürgermeister Norman Klebe (v.l.) bedankte sich bei Vissums Ortsbürgermeister Uwe Hundt und Ulf Müller vom Naturerbeverein.

Die Gäste aus Nah und Fern erlebten einen kurzweiligen Nachmittag. So auch die Familie Kassuhn, die aus ganz Deutschland in das Altmarkdorf kam, um in großer Gemeinschaft zu feiern. Insgesamt waren zwölf Personen anwesend, die als Geburts- oder den jetzigen Familiennamen Kassuhn tragen. So war unter anderem der Salzwedeler Hans-Jürgen Kassuhn mit seiner Frau und seinen Kindern in den Arendseeer Ortsteil gekommen. Aber auch die gebürtige Apenburgerin Maria Kassuhn und ihr aus Pretzier stammender Mann Thomas Kassuhn ließen sich den Geburtstag nicht entgehen. Das Ehepaar wohnt mittlerweiler im Wendland.

Geschichten mit dem Daumenklavier

Maria Kassuhn ist im wahren Leben Krankenschwester, doch in ihrer Freizeit spielt sie ein nicht alltägliches Daumenklavier und erzählt vor kleinen und großen Personen Märchen aus Weißrussland, Nordamerika und Frankreich. Davon gab Maria Kassuhn am Sonnabend im Garten der Familie Müller einige Kostproben. „Ich möchte weiter den Kontakt zu den Einwohnern halten und mich im Ort engagieren“, betonte sie.

Bis auf den letzten Platz war die Kassuhner Dorfkirche gefüllt. Sogar vor dem Gottehaus mussten einige Besucher sitzen.

Doch bevor sie ihre Märchen erzählte und Musik spielte, wurden die Feierlichkeiten mit einem Gottesdinest in der Kirche eingeläutet. Da die Besucherresonanz so groß war, mussten einige Gäste vor dem Gotteshaus Platz nehmen. Während der Andacht von Pfarrer Rainer Holst und Kirchenältesten Knut Watermann ging es auch um die Geschichte des Ortes und des historischen Baudenkmals. Zudem erinnerte Wilfried Müller an die unzähligen Sanierungsmaßnahmen an der Kirche im Laufe der zurückliegenden Jahre. „Besonders schwierig war die Sanierung zu DDR-Zeiten, da es Engpässe beim Material gab“, erinnerte Müller.

Aber auch nach der politischen Wende flossen unzählige Gelder in die beschauliche Feldsteinkiche. So wurden der 200 Jahre alte Glockenturm, aber auch die Glocken saniert. Demnächst steht eine Innensanierung des Gotteshauses auf dem Programm. Knapp 40 000 Euro sind dafür notwendig, berichtete Wilfried Müller. Aus diesem Grund fließt die Kollekte der Andacht auch in die Maßnahme.

In Kassuhn steht kein Haus leer

Wilfried Müller erzählte etwas zur Geschichte der Kirche.

Nach dem Gotteshaus hatten Ortsbürgermeister Uwe Hundt und Ulf Müller vom Naturerbeverein die Gäste zu einer feierlichen Eröffnung des Festes in das Zelt auf dem Dorfplatz eingeladen. Dabei blickte Uwe Hundt in die Chronik des derzeit 39 Einwohner zählenden Dorfes: Im Jahr 1848 hatte Kassuhn 58 Einwohner, 1910 waren es 44 Menschen und zur 1000-Jahr-Feier im Jahr 1956 lebten in dem Dorf genau 60 Frauen, Männer und Kinder. 2006 waren es 45 und in diesem Jahr haben 39 Kassuhner in dem Dorf ihr Zuhause, listete der Ortsbürgermeister auf. Nicht unerwähnt ließ Hundt, dass momenten im Ort kein Haus leersteht. Aber auch, dass in Kassuhn vier Familienbetriebe Landwirtschaft betrieben und die Villa Kassuhn mehrfach die Ehrung „Beste Ferienwohnung Deutschlands“ erhielt.

„Der Ort ist lebenswert, weil die Einwohner mit ihrem persönlichen Einsatz dafür sorgen“, würdigte der Ortschef und nannte dabei die Dorfplatz-Neu- und Umgestaltung sowie die Kirchensanierung. Aber auch der Naturlehrpfad des Naturerbevereins, der zwischen Kassuhn und Vissum liegt, ist ein Beispiel dafür. Den konnten die Gäste genauso besichtigen wie die Heimatstube von Johanna Müller.

Aber auch auf den Namen Kassuhn ging der Ortsbürgermeister ein. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte am 24. August 956. Kaiser Otto der Große schenkte der Abtei Quedlinburg sechs Orte. Darunter befand sich Kassuhn, damals noch als Namensform Kazina. Der Name bedeutet befestigter Lagerplatz. Das Gebiet der altmärkischen Slawen um Kassuhn wurde um 809 von Karl dem Großen erobert und ging als Nordmark in das Reich ein. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert enstand die kleine einschiffige spätgotische Rechteck-Feldsteinkirche, die Anfang des 19. Jahrhundert einen Glockengiebel und einen Fachwerkturm bekam. Später gehörte der Ort dem Grafen von Jeetze und von der Schulenburg sowie zum Königreich Westfalen und dem Regenten Jerome, einem Bruder Napoleons

Im Laufe der über 100 Jahre veränderte sich auch das Dorfbild. So bekam die Ortsdurchfahrt mit der Bitumenstraße ein neues Aussehen.

Das Unterhaltungsprogramm der Feierlichkeiten zum Dorfjubiläum komplettierten die Packebuscher Blasmusikanten sowie der Berliner Zauberer Ewald Gruntzke. Der Abend endete mit Livemusik von Michael Hitschold (Nipkendey) sowie der Leipziger Band Schlinge Caransa.

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