Jugend-Filmcamp geht zu Ende

"Game Of Thrones"-Star Tom Wlaschiha als Ehrengast in der Altmark

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Tom Wlaschiha (Mitte) ist den Presserummel um seine Person schon gewöhnt. Für die Teilnehmer des Filmcamps Arendsee war die Situation dann aber doch noch etwas befremdlich.

Arendsee. Presseauflauf am Jugend-Filmcamp in Arendsee. Schauspieler Tom Wlaschiha war auf Einladung von Camp-Initiator Norman Schenk in die Altmark gekommen. Aber nicht nur der Besuch des internationalbekannten Stars spricht für das Filmcamp.

Wir haben in diesem Jahr 278 Teilnehmer zu verzeichnen. Das ist für die vergangenen Jahre eine enorme Leistung, was wir rückblickend gschafft haben“, zeigt sich Norman Schenk zufrieden. Rund 30 Filme, davon sechs vertont, sind in den vergangenen Wochen rund um den Arendsee entstanden, zehn Drehbücher haben die Jugendlichen, die aus allen Teilen der Welt anreisen, niedergeschrieben. „Man ist nicht ohne Stolz, wenn man am Ende die Werke der Jungen und Mädchen sieht“, freut sich Schenk.

Aus Österreich, Spanien, Belgien, Dänemark und sogar aus China kommen die Jugendlichen in die Altmark, um sich in verschiedenen Bereichen wie Schauspiel, Spezialeffekte oder Regie schulen zu lassen. „Wir sind auch besonders stolz, dass wir 15 Asylbewerber, die aus Gambia, Syrien oder dem Iran kamen, im Camp begrüßen konnten. Sie haben alle. trotz der Sprachbarrieren, fleißig mitgearbeitet“, erzählt Schenk. für den das Filmcamp ein Ort ist, wo sich Gleichgesinnte treffen, wo gefachsimpelt und in den Beruf geschnuppert werden kann.

Die besten Kurzfilme aus diesem Sommer werden am kommenden Sonnabend, 3. September, beim Filmfestival in Arendsee gezeigt.

Von Braavos über Berlin an den Arendsee

Norman Schenk (l.), Leiter des Jugend-Filmcamps in Arendsee, und Tom Wlaschiha kennen sich aus Jugendtagen. Auf Wunsch des Altmärkers kam der internationale Schauspieler an die blaue Perle.

Mit einem entspannten „Hi, ich bin Tom“ begrüßt mich der braungebrannte Mann vor mir mit einem kräftigen Handschlag, während er seinen Kaffee schlürft und die Sonne genießt. Thomas Wlaschiha ist Schauspieler und zu Gast im Jugend-Filmcamp in Arendsee.Tom Wlaschiha ist nicht jedem ein Begriff, auch einige Jugendliche im Camp kennen den Mimen nicht, wie sie zugeben. Aber einem Großteil ist der 43-Jährige aus der us-amerikanischen Serie „Game of Thrones“ als mörderischer Mönch Jaqen H’ghar aus dem fiktiven Braavos bekannt. Für Norman Schenk, Betreiber und Initiator des Jugend-Filmcamps, ist Tom Wlaschiha ein alter Bekannter. „Wir haben uns vor Jahren im Theater „Junge Generation“ in Dresden kennengelernt. Ich habe die Rollen von Norman übernommen und musste dann das spielen, was er über die Jahre verbockt hat“, erzählt Tom, der in Dohna geboren wurde und in Neustadt in Sachsen aufgewachsen ist. Und im Interview mit der Altmark-Zeitung anfängt zu sächseln.„Ich wollte schon als Kind Schauspieler werden. Damals, zu DDR-Zeiten, wurden Berufswünsche noch ins Klassenbuch eingetragen. Das hat mir einiges an Spott eingebracht“, erinnert sich Tom. Aber er ist seinen Weg gegangen. Seine Ausbildung absolvierte er an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Nach der Wende ging es für ein Jahr in die USA.

Vom „Tatort“ zu „Game of Thrones“

Tom Wlaschiha spielt in der US-Serie „Game Of Thrones“ den mörderischen Jaqen H’ghar.

„Ich bin damals den fast klassischen Weg gegangen. Ich habe im Theater angefangen und bin irgendwann zum Film gekommen, weil mich dieses Medium interessiert hat.“ Es folgen Auftritte in Serien, darunter „Stubbe – Von Fall zu Fall“, „Küstenwache“, und im „Tatort“ spielte er an der Seite von Axel Milberg. Sein internationaler Durchbruch gelang ihm mit der Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Tom Wlaschiha sieht im Jugend-Filmcamp in Arendsee eine wunderbare Möglichkeit für junge Menschen, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen: „Was hätte ich dafür gegeben, wenn es das bei mir gegeben hätte, um in den Beruf zu schnuppern. Schauspielerei hat viel mit Durchhaltevermögen, Ausdauer und mit Glück zu tun.“ Für die Jungen und Mädchen im Camp ist die gesamte Situation aufregend. „Was hier alles an Presse rumläuft, das ist schon beeindruckend. Aber so berühmt werden, dass ständig irgendwo die Kameras klicken und alle was von einem wollen, muss dann auch nicht sein“, sind sich die Teilnehmer einig. Tom reagiert entspannt auf die Frage, was Fans schon alles angestellt haben. So stand ein Fan vor seiner Haustür und wollte für die Freundin zum Geburtstag einen Gips-Abdruck seines Gesichts. „Man lernt, damit umzugehen, aber man muss doch jedes Mal improvisieren“, erzählt Tom.

„Wie nervig ist es, dass alle immer dieselben Fragen stellen?“, will ich wissen, und Tom lacht. Trotz seines Erfolgs ist er bodenständig geblieben und gesteht, dass er Lakritz, Sauerkraut und Meeresfrüchte hasst. Während seines Aufenthalts in Arendsee nimmt er sich Zeit für die Jugendlichen. Beantwortet Fragen, gibt Tipps und verschlingt ganz nebenbei seine Marmeladenbrötchen zum Frühstück. Und auch, als einige Fotos inszeniert werden, bleibt Tom Profi und macht jeden Unsinn mit einem Lachen mit. Ebenso werden alle Autogramm- und Fotowünsche zwischen den Pressegesprächen erfüllt. Wie es für seine Figur des Jaqen H’ghar weitergeht, will Tom Wlaschiha gar nicht wissen. „Was bei ,Game of Thrones‘ passiert, wissen nur die Produzenten und Romanautor George R. R. Martin. Von daher kann ich in meinem Bekanntenkreis auch gar nicht groß verraten, was mir oder anderen in der Serie geschieht.“ Ein bisschen Wehmut scheint aber schon dabei zu sein, denn die Serie neigt sich ihrem Ende. „Für mich wird es hoffentlich weitergehen. Aber die Schauspielerei ist unbeständig.“

„Man fühlt sich wie im Ferienlager“

„Die Jungen und Mädchen im Camp erinnern mich an mich selbst, als ich so 15, 16 Jahre alt war. Ich könnte mir durchaus vorstellen, im kommenden Jahr als Dozent tätig zu werden“, so Tom Wlaschiha. Vor allem die Atmosphäre scheint es dem Schauspieler angetan zu haben. „Man fühlt sich wie im Ferienlager. Ich habe sogar meinen Schlafsack mitgebracht. Hier kann man gut arbeiten, so ohne jegliche Ablenkung von außen. Das wäre in einer großen und hektischen Stadt nicht so einfach“, resümiert Tom Wlaschiha, der in Berlin seine neue Heimat gefunden hat.

Von Katja Lüdemann

"Game Of Thrones"-Star Tom Wlaschiha in Arendsee

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