150. Geburtstag und 70. Todestag: Ausstellung im oberen Kreuzgang

Förderverein Kloster ehrt Fritz Gentsch

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Fritz Gentsch mit Familie an seinem 70. Geburtstag.

swz Arendsee. Zum 70. Todestages des Heimatmalers und Dichters Fritz Gentsch (1866 bis 1946) am 25. April sowie seinen Geburtstages, der sich am 30. August zum 150. mal jährt, wird eine Ausstellung präsentiert. Der Förderverein Kloster ist dabei federführend aktiv.

Das Bild zeigt den von ihm gemalten Klosterbereich.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 31. Juli, um 15 Uhr im oberen Kreuzgang eröffnet.

Ein Blick in das Leben des Arendseer Originals: Erst relativ spät, etwa um das Jahr 1920, begann Fritz Gentsch Bilder auf Leinwände zu malen und diese zu verkaufen. Er hatte dies nicht erlernt und war reiner Autodidakt. Trotzdem brachte Gentsch es zu einer relativ hohen Qualität. Die ihm nachgesagte künstlerische Nähe zum Berliner Maler Walter Leistikow (1865-1905) ist bis heute sehr umstritten. Sein wohl beliebtestes Motiv war der Arendsee, was ihm bald den Kosenamen „Fritz Amsee“ einbrachte. Besonders die romantischen Bilder mit der Klosterkirche und den Ruinen des Benediktinerinnenklosters zeugen von einer sehr einfühlsamen Motivwahl und Bildgestaltung.

Viele Motive

Doch nicht nur heimatliche Eindrücke inspirierten ihn. Auch Bilder vom Rhein, Norddeutschland und den Alpen gehörten dazu. Zumindest bei den Alpenbildern wurde von alten Arendseern glaubhaft versichert, dass diese von Postkarten abgemalt wurden. Da er sehr vielseitig war, kann der Kunstfreund vom stimmungsvollen Stillleben bis zum berühmt berüchtigten röhrenden Hirsch alles entdecken. Fritz Gentsch malte, wenn auch oft sehr frei, was bestellt wurde.

Besonders nach 1930 traf er mit seinen oft sehr realistischen Bildern den Zeitgeschmack der Arendseer. Als Rentner fand er auch immer mehr Zeit zum Malen. So entstanden über 50 heute noch nachweisbare Werke, zumeist mit Motiven rund um die „blaue Perle“. Seine Bilder hängen nicht nur in den Wohnstuben vieler Familien, sondern auch in mehreren Gaststätten und im Museum. Sie sind heute vor allem Zeitdokumente, wie beispielsweise das Bild „Badeanstalt“ von 1939 belegt oder einige Dorfansichten von Schrampe. Obwohl er nicht zum Freundeskreis des Wanderprediger Gustav Nagel (1874-1952) gehörte, entwarf Fritz Gentsch ihm das Titelbild und mehrere Zeichnungen für sein bekanntestes Buch, den Gedichtband „der morgengrus“.

Fritz Gentsch großes Lebensziel, die über 800 Jahre alte romanische Klosterkirche auszumalen konnte er zur Freude der heutigen Restaurateuren nicht verwirklichen. Jedoch durfte er einen Bogen mit Ranken in der Kirche gestalten. In den Dorfkirchen von Kaulitz und Genzien sind Wandbilder und Fresken von ihm erhalten geblieben.

Doch die Wertschätzung der Bilder von Fritz Gentsch war nicht immer so hoch wie heute. Besonders in den 50er und 60er Jahren wurden sie als zu kitschig abgetan und landeten auf den Sperrmüll oder auf dem Speicher. Es ist unter anderem ein Verdienst von Otto Friedrich Goyer, der sie sammelte und erhielt. Heute sind die Bilder wieder in zahlreichen Wohnzimmern in Arendsee zu finden. Dies zeigt, dass das Werk von Fritz Gentsch nicht unbedingt vom jeweiligen Zeitgeschmack abhängt.

Die Malerei war immer seine große Leidenschaft, doch ist er auch als Heimatdichter und Heimatforscher in Erinnerung geblieben. Obwohl der Arendseer nicht Mitglied der Schützengilde war und nur vom 16. Januar 1906 bis zum 25. Oktober 1936 als passives Mitglied dem Arendseer Männerchor angehörte, beeinflusste er durch die unterschiedlichsten Aktivitäten das Vereinsleben der damals beiden größten Vereine der Stadt nachhaltig. So schrieb er unter anderem das erste Arendseer Heimatlied. Dieses Lied wurde im Männergesangverein Arendsee noch bis in die 60er Jahre hinein gesungen.

Hilfe für Vereine

Auch für die jährlichen Schützenfeste der Gilde, die im kommenden Jahr übrigens ihr 200-jähriges Bestehen feiert, hat Fritz Gentsch seit dem Jahre 1932 die Lieder und Texte zur Königstafel geschrieben. Dabei textete er gekonnt lustige Stadtereignisse zum Teil in Plattdeutsch auf bekannte Melodien. Die großen Schützenumzüge gestaltete er aktiv mit.

Doch der vielseitige Fritz Gentsch hatte auch einige künstlerische Seiten, die heute weitgehend unbekannt sind. Bereits 1895 gründete er seine erste Firma, ein „Atelier für gestickte und gemalte Vereinsfahnen und Banner“. Sein eigenes Malergeschäft eröffnet „Fritz Amsee“ jedoch erst nach der bestandenen Meisterprüfung um 1910.

Eines der großen Verdienste von Fritz Gentsch für die Stadt war das Einrichten des ersten Heimatmuseums. Es wurde im Juni 1931 im oberen Teil des Kreuzganges eröffnet und ist den steten Bemühungen von Fritz Gentsch zu verdanken, der bereits seit 1929 an diesem Museum arbeitete. Er erhielt im Juni 1991 postum den ersten Kunst- und Kulturpreis der Stadt Arendsee.

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