Vor exakt 90 Jahren begann die Geschichte des Arendseer „Waldheims“

Einst Schmuckstück, nun nur noch Ruine – Das Aus kam nach der Wende

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Das noch unverputzte „Waldheim“ während der Einweihung am 24. Juni 1928. Dieser Tag war ein großes gesellschaftliches Ereignis in Arendsee. In den folgenden Jahrzehnten wurde es intensiv als Hotel oder Ferienanlage genutzt. Nach der Wende verlor es schnell an Bedeutung. Repros: Schwarz / Luftbild: Ziems

Arendsee. Eine der größten und schönsten Hotelanlagen des ehemaligen FDGB-Feriendienst – das „Waldheim“ in Arendsee – steht nun schon seit Jahren leer.

Dabei hat das „Stahlhelmheim“, wie es vor 1933 hieß, eine mit der jüngeren Historie Arendsees eng verbundene, interessante Geschichte aufzuweisen.

Pläne werden verkündet

Auf dem Gautag des Stahlhelm-Bundes der Frontsoldaten in Arendsee verkündete der damalige Gau-Führer, Oberstleutnant von Goßler, vor 90 Jahren am 27. Juni 1926 vor über 1500 Mitgliedern, dass es geplant ist, ein „Stahlhelm-Erholungsheim“ in Arendsee zu errichten – unweit des Sees an einem der schönsten Aussichtspunkte, des „Deepen Deel“.

Erste positive Vorgespräche hatte es bereits mit der Stadt und den zuständigen Behörden gegeben. Schon 1925 unterbreitete Architekt und Regierungsbaumeister Wentz aus Salzwedel einige Vorschläge zum Bau eines großen Erholungs- und Veranstaltungsheimes im damaligen Bad Arendsee. Als Besitzer des Hauses wurde der Altmärkische Heimstätten-Verein Stendal eingeschrieben. Dessen Vorsitzender war ebenfalls der Oberstleutnant a. D. von Gossler in Stendal.

Bau in den Zwanzigern

Durch eine spezielle Lotterie wurde der Bau des Arendseer „Waldheims“ in den 20er-Jahren zum Teil finanziert.

Bereits im Herbst 1927 wurde mit dem Bau des Hauses begonnen. Am 17. September 1927 konnte das Richtfest gefeiert werden. Mit dabei übrigens auch das Ehrenmitglied des Arendseer Stahlhelms, Friedrich Wilhelm Huet aus Salzwedel-Perver. Er hatte sich als Kriegsfreiwilliger im Alter von 77 Jahren an die Front des Ersten Weltkriegs gemeldet und galt allgemein als ältester Kriegsteilnehmer. Die Gelder für den imposanten Bau kamen aus Beiträgen und Spenden der Mitglieder des Stahlhelm-Bundes, des Königin-Luise-Bundes sowie einer speziellen Lotterie. In der ganzen Altmark wurden für eine Reichsmark sogenannte Baustein-Lose verkauft. Am 30. April 1928 wurden die Gewinne schließlich feierlich ausgelost.

Die Einweihung

Arendseer Wochenblatt vom 25. Juni 1928: „Der Aufmarsch der über 5000 Menschen vollzog sich in mustergültiger Ordnung. Unsere verteilte Stadtkapelle und die Spielmänner spielten Marschweisen.“

Die Einweihung des Stahlhelm-Erholungsheimes am 24. Juni 1928 war eine für die Stadt sowie dem Stahlhelmbund bedeutsame Veranstaltung. Eine große Menschenmenge umsäumte die Straßen und marschierte dann mit dem Zug selbst mit. Im Arendseer Wochenblatt vom 25. Juni 1928 ist darüber zu lesen: „Dicht gedrängt umstanden die Stahlhelmer, Gäste und die Bevölkerung den festlich geschmückten Bau. Girlanden und schwarz-weiß-rote Bänder zierten die Fassade. Die alte Flagge wehte auf dem stolzen Bau. Dr. Wolff, der Stahlhelmführer Arendsees, übergab nach kurzen Begrüßungsworten den Hausschlüssel mit den Worten: ,Unsern Eintritt segne Gott!‘ dem Bauführer. Die Ehrengäste nahmen dann auf dem Rundteil des Balkons der ersten Etage Aufstellung, um die eigentliche Einweihung durch Festreden zu den Anwesenden zu begehen. Ein schneidiger Parademarsch hinter dem Heim, der fast eine halbe Stunde dauerte, ließ noch einmal alle Stahlhelmkameraden vor ihren Führern vorüberdefilieren.“

Während der NS-Zeit

1933 ging das Haus an den Heimstätten-Verband und wurde privat verpachtet. Das „Stahlhelmheim“ wurde in Kurhotel „Waldheim“ umbenannt. 1941 ereilten dem Hotelkomplex ähnlich wie zahlreiche andere öffentliche Gebäude der Stadt die Auswirkungen des Krieges, es wurde beschlagnahmt und als Marine-Lazarett genutzt.

Nach 1945

Nach der Kapitulation 1945 diente das Waldheim vor allem als Stabsgebäude. Zuerst zogen am 16. April die Amerikaner, danach für einen Monat die Engländer und ab dem 1. Juli die Sowjets in das Haus ein. Kurz nach Gründung der DDR 1949 erwarb die PREVAG-Bezirksdirektion Salzwedel das Gebäude.

Es erfolgte eine gründliche Renovierung unter Leitung des Dessauer Ingenieurs Steinbiß. Als erstes Ferienheim im Regierungsbezirk Magdeburg wurde es als Haus „Waldheim“ noch 1949 wieder als Erholungsheim der PREVAG genutzt.

Anfang der 50er-Jahre übernahm dann der Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) die Einrichtung. Von 1976 bis 1979 wurde es für insgesamt 16 Millionen DDR-Mark zum größten und modernsten Ferienkomplex des FDGB im Bezirk Magdeburg ausgebaut.

Die Wende

Am 31. Januar 1991 wurde das Objekt als FDGB-Ferienheim aufgelöst und viele Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Im April übertrug die Treuhand das Hotel der Stadt. Das Haus wurde wiedereröffnet und bis Ende März 1993 von der Stadt geführt. Einen letzten Versuch gab es durch die Hamburger Familie Freund, die den Betrieb wieder aufnahm und Lehrgänge durchführte. Die endgültige Schließung erfolgte im August 1994.

Von Eckehard Schwarz

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