Landrat Carsten Wulfänger: „Wer das erste Mal in die Altmark reist, kommt meist zu spät“

Demonstration für „Hosenträger“

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Bürger, Politiker und Wirtschaftsvertreter demonstrierten am Sonnabend in Arendsee für die Umsetzung der „Hosenträgervariante“.

ct Arendsee. „Wer das erste Mal in die Altmark reist, kommt meist zu spät. “ Den Spruch erzählt Stendals Landrat Carsten Wulfänger gern, wenn es um das Thema Verkehrsanbindung geht.

Die Autobahnen 14 und die 39, nebst leistungsfähiger Querverbindung (so genannte „Hosenträgervariante“) seien für die Region enorm wichtig, ist er sich nicht nur mit seinem Salzwedler Amtskollegen Michael Ziche (beide CDU) einig.

Knapp 80 Bürger, Politiker und IHK-Vertreter aus beiden altmärkischen Kreisen waren am Sonnabendvormittag nach Arendsee gekommen, um dafür zu demonstrieren. Während im Osten die A 14 langsam Gestalt annimmt und im Westen die Planungen für die A 39 laufen, ist die Querverbindung (B 190n) im Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes nur im „weiteren Bedarf“ zu finden. Das heißt, sie hat keine Priorität und kann erst nach 2030 gebaut werden.

Die Demonstranten wollen sich damit nicht abfinden und machten ihre Meinung mit einem Fahrzeugkorso und einer Kundgebung deutlich. Ihre Forderung: Der „Hosenträger“ muss möglichst zügig und komplett umgesetzt werden. „Lücken schließen – Anschluss finden“, „Ja A14“, „Ja Querspange B190 n“, steht auf ihren Plakaten.

Ziche: „Lassen uns nicht hinhalten“

„Die Messen sind noch nicht gesungen.“ Salzwedels Landrat Michael Ziche gab sich kämpferisch, dass es die B190n doch noch in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes schafft und damit in absehbarer Zeit realisiert werden kann. Sie sei als Querverbindung der ebenfalls zu bauenden Lückenschlüsse der A14 und der A39 ein unverzichtbares Element der so genannten „Hosenträgervariante“. „Wir brauchen eine bessere Erschließung für den ländlichen Raum“, sagte der Landrat und erinnerte an den Grundgesetzauftrag, gleiche Lebensbedingungen in allen Regionen zu schaffen.

Zwischen der A 10 im Osten, der A 24 im Norden, der A7 im Westen und der A2 im Süden liege der größte autobahnfreie Raum Deutschlands. Nur mit dem Gesamtprojekt „Hosenträger“ könne der entwickelt werden. Die B 190n sei damit nicht nur für die Altmark wichtig. Die Bedeutung erstrecke sich bis ins östliche Niedersachsen nach Bad Bodenteich. Ziche nahm die altmärkischen Bundestagsabgeordneten, von denen nur Jörg Hellmuth anwesend war, in die Pflicht, sich dafür einzusetzen.

Bisher steht das Vorhaben im so genannten „weiteren Bedarf“ und kann somit frühestens nach 2030 gebaut werden. Die Dringlichkeit sei mit einem Sternchen gekennzeichnet. Planungen könnten also vorher beginnen. „Das ist ein schlechter Witz. Wir lassen uns nicht hinhalten“, so der Landrat. Wenig begeistert zeigte er sich von der Idee seines Stendaler Kollegen Carsten Wulfänger (beide CDU), eigenes Geld in Grundlagenplanungen zu investieren. Grundsätzlich liegen beide jedoch auf einer Wellenlänge. „Die Menschen brauchen den ‘Hosenträger´. Sie wollen ihn aber auch“, so Wulfänger. Die Demonstration in Arendsee sei erneut ein deutlicher Beweis dafür.

Dass beide altmärkischen Landkreise bei dem Thema an einem Strang ziehen, belegen unter anderem auch die Teilnehmer der von Dr. Walter Fiedler aus Seehausen initiierten Demonstration. Neben Bürgern und Unternehmern waren am Sonnabendvormittag unter anderem Salzwedels Oberbürgermeisterin Sabine Blümel (parteilos), ihr Amtskollege aus Seehausen, Rüdiger Kloth (CDU), IHK-Vizepräsident Adolph Fehse und Landtagsabgeordneter Chris Schulenburg (CDU) nach Arendsee gekommen.

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Meinungen zum Straßenbau

Norman Klebe, Bürgermeister von Arendsee: „Der Hosenträger wurde uns als Alternative zur X-Variante versprochen, die ein Autobahnkreuz bei Salzwedel vorsah. Für Salzwedel und Arendsee würde es sich negativ auswirken, wenn die B 190n nicht gebaut würde.“

Jens Reichardt, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses Arendsee: „Wir sind eine Tourismusregion mit Ausrichtung auf den Berliner Raum. Die B 190n muss, wie ursprünglich geplant, auch Richtung Osten fortgesetzt werden.“

Adolph Fehse, Unternehmer aus Klötze und IHK-Vizepräsident: „Die Wirtschaft der Altmark benötigt eine leistungsfähige Anbindung. Es gibt keine Alternative zur B 190n.“

Alfred Landsberg, Tankstelleninhaber Arendsee: „Die B 190n ist wichtig für den Erhalt unseres Familienbetriebes. Der Ausbau zum Autohof mit Gaststätte und Hotel hängt davon ab.“

Joachim Schulz, Unternehmer aus Seehausen: „Als Steuerzahler erwarten wir, dass die Lebensadern der Wirtschaft erweitert werden. Statt dessen haben wir erhöhte Kosten, weil es keine vernünftige Straßenanbindung gibt.“

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