Junge Aale bezogen gestern ihre neue 530 Hektar große Wohnstube

Vom Atlantik in den See

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Die jungen Aale, die gestern in den Arendsee gesetzt wurden, stammen aus dem Atlantik.

Zießau. 53 Kilogramm Jungaale sind gestern zur Freude des Fischers, aber auch des Hechtes und des Kormorans in den See gesetzt worden. Fischer Wilfried Kagel und sein Geselle Fabian Stegner hatten die Fische aus Güsen geholt.

In Säcken wurden die Fische angeliefert. Minuten später, nachdem der Fischer sie ins Boot holte, wurden sie ausgesetzt.

Sind sie in Güsen geboren? Nein, auf keinen Fall. Denn die Aale stammen aus der Sargasso-See, einem Teil des Atlantics, in dem der amerikanische und der europäische Aal das Licht der Welt erblicken. Und dann auf der Reise in die Flüsse – auch nach Europa – von Franzosen und Engländern aufgegriffen werden, um sie zu puschen. Heißt, die Fische über den Status eines Glas-Aales hinaus wachsen zu lassen, um sie dann an die Fischer weiterzugeben.

Und in diesem Stadium kamen die Aale gestern in Zießau an. Fabian Stegner versuchte, ein Exemplar in seine Hand zu nehmen – es gelang. Parallel zeigte er ein Bild, auf dem ein drei Kilogramm schwerer Aal zu sehen ist. Gefangen wurde er in einer der Aal-Reusen im See. „Bis die kleinen Aale dieses Gewicht erreichen, vergehen auch mal 30 Jahre“, sagt der Fischer.

Er als Pächter muss jährlich für neuen Besatz, unter anderem bei Aalen, Maränen und Hechten sorgen. Und so wandern rund 50 Kilo Aal-Nachwuchs, bis vier Millionen Maränenbabys und 20 000 Exemplare an Hechtbrut in den Arendsee. Von den Fischen, die ausgesetzt werden, überlebt ein großer Teil nicht. Das ist Fakt, denn die natürlichen Feinde sind immer und überall. „Raubfische und Seevögel haben es auf die kleinen Happen abgesehen, wie das Finanzamt auf uns“, schmunzelt Kagel, der alte Haudegen von der Fischerei.

Wenn die Aale gesund bleiben, können aus ihnen solche Exemplare werden, wie auf dem Bild zu sehen.

Es dauert nur wenige Minuten, dann sind die kleinen Aale Mitglieder der Wasserbewohner im Arendsee. Langsam gewöhnt Wilfried Kagel die Aale an die Seetemperatur. Und übergibt sie dann ihrem Schicksal. Dass Aale Plankton fressen, ist bekannt. Aber sie selbst räubern auch, machen sich so manche Maräne zur Delikatesse. Zwar nicht geräuchert, aber grün schmecken sie ihnen auch. Wenn man so richtig darüber nachdenkt, ist im See keiner sicher. Selbst einem Riesenhecht, dem keiner etwas antun kann, droht aber der Angelhaken.

Von Harry Güssefeld

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