Seesanierung: MDR sorgt für Irritationen im Landratsamt und in Arendsee

Der Arendsee und das böse Wort Alge

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Es wird geforscht und geforscht. Der Bürger ist seit Jahren darauf vorbereitet worden, dass schnell etwas geschehen muss. Doch immer wieder wird eine dringend angeratene Sanierung verschoben. Nun vielleicht auf 2020.

Arendsee. Auf der Internetseite des Mitteldeutschen Rundfunks stand tagelang ein Foto von einer Algenschicht, die dramatischer nicht sein kann. Das Bild gehört zu einem Bericht über vermeintliche Neuigkeiten zur Seesanierung.

Doch nach Aussage aus dem Umweltamt Salzwedel gibt es nichts Neues. Der Antrag zur Seesanierung liege seit Mai 2015 vor, hieß es. Und dieser könne nur entschieden werden, wenn zwei Dinge erledigt sind: Zum einen die Aussage, woher der Phosphoreintrag unter dem See kommt – die Untersuchungen dazu sind nicht abgeschlossen. Außerdem handele es sich beim See um ein Fauna-Flora-Habitat (FFH). Eine Verträglichkeitsprüfung sei noch nicht abgeschlossen. Soweit die Stellungnahme des Kreises.

Im Arendseer Rathaus wundert man sich ebenso über die Berichterstattung. Auch deshalb, weil „dort die News fehlt“, wie Bauamtsleiter Gert Reckling formulierte. Er ist gleichzeitig Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Der Arendsee“ – und mit der Materie mehr als vertraut.

Die Arendseer Bürger, die seit Jahrzehnten hören muss, dass ihr See in einem katastrophalen Zustand sei, muss sich wundern – angesichts der Dramatik der vergangenen Jahre war zu hören, dass vielleicht ab 2020 eine Sanierung mit chemischer Keule erfolge. Phosphor solle gebunden werden, um den Algen nicht mehr als Futter zu dienen. Der Algenbefall hat sich verringert. In den vergangenen Jahren hat es für den See kein offizielles Badeverbot mehr gegeben. Dem See wird große Gesundheit bescheinigt – so auch vom Fischer Kagel. Geht es nach den Wissenschaftlern, müsse Kagel auf die Barrikaden gehen, weil der Sauerstoffgehalt des Sees den Fischbestand bedroht. Doch der Fischer lächelt nur. Für ihn – und für viele Bürger in Arendsee – sind die Aktionen der Wissenschaftler reine „Arbeitsbeschaffung“. Diese ist nun für vier weitere Jahre gesichert. „Warum soll man den Leuten noch glauben, wenn sie 2008 schon sagten, der See stehe vor dem Aus“, so die Gegner der Sanierung. Der See als Versuchsobjekt – das wird abgelehnt. Zaghaft, aber bestimmt.

Von Harry Güssefeld

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