Ritzleben: Ortschef beklagt, dass er von der Fällung nichts wusste

Der alte Baum ist tot: Ein Dorf stellt Fragen

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Elisabeth Kleinau aus Ritzleben an der Stelle, an der die Linde abgesägt wurde. Sie trauert dem Baum nach, der seit ihrer Kindheit ihr Leben im Dorf mit geprägt hat. Das Ordnungsamt in Arendsee hatte eine Fällgenehmigung erteilt.

Ritzleben. Für Bindes Ortsbürgermeister Kurt Gabriel ist es nicht nachzuvollziehen, dass der Ortschaftsrat in keinster Weise über geplante und letzlich auch realisierte Fällaktionen in seinen Dörfern unterrichtet wurde.

„Ich kann Ihnen sagen, an dem Sonnabend war hier ein Riesenauflauf an Menschen, die Fragen hatten“, so Gabriel im Gespräch mit der AZ. Natürlich habe er sich die Unterlagen, sprich Fällgenehmigung, zeigen lassen. „Da waren ja alle Messen gesungen“, so Gabriel. Er habe auch noch versucht, den Diensthabenden des Wochenendes ans Telefon zu bekommen. Aber er hatte keine Nummer, ist dann über die Leitstellennummer Magdeburg zum Ziel gekommen.

Dieser Baum, diese Linde, die in Ritzleben gefällt wurde, sei über 100 Jahre alt gewesen, schätzt Gabriel. Weil der Baum keine Schäden aufwies, ist der Bürgerzorn groß, heißt es. Zu den Einwohnern, die sich aufregten, gehört auch Elisabeth Kleinau. Die 82-Jährige hat in einem Gespräch beklagt, dass dieser Baum der Säge zum Opfer fiel. Auch deshalb, weil er schon immer zum Dorfbild gehörte. „Eigentlich hätte er ein Naturdenkmal sein müssen“, sagte die Ritzlebenerin.

Die AZ fragte im Bauamt der Stadt nach. Es sei vor langer Zeit ein Antrag auf Fällung gestellt worden, weil der Baum Gebäude eines Ritzlebeners beschädigen würde, hieß es. Bei einem Vorort-Termin habe sich der Fakt bestätigt. Die AZ hatte Gelegenheit, mit dem Antragsteller zu sprechen. Familie Bartels verwies auf die starken Wurzeln des Baumes, die inzwischen Schäden angerichtet hätten.

Deshalb bekam die Familie auch die Genehmigung. Es soll außerdem wieder ein Baum gepflanzt werden, erfuhr die AZ vom Antragsteller.

Die Unruhe im Dorf habe sich noch nicht gelegt, erfuhr die AZ. Böse Worte seien gefallen, weiß auch Elisabeth Kleinau. Sie selbst sei nur traurig. Sie zitierte aus einem Lied „Mein Freund der Baum ist tot“ – und fragt sich, wie Bürgerbeteiligung in solch einem Fall hätte aussehen können. Wenn ein Stempel unter einer Fällgenehmigung prangt, sei nichts mehr zu ändern, heißt es in Ritzleben.

Doch die Frage solle erlaubt sein, was in den Dörfern gegen die Meinung der Menschen geschehen kann. „Unser Wahrzeichen wurde gefällt, wegen Gefahren, aber gegen die Gefahren durch die marode Straße unternimmt niemand etwas“, sagt die Seniorin. Es habe schon Konflikte zwischen Autofahrern und Anwohnern gegeben. „Wichtige Probleme sollen gelöst werden, doch es passiert nichts“, sagt Elisabeth Kleinau.

Von Harry Güssefeld

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